Katastrophe X – Nebensatz: „es kamen Y Deutsche ums Leben“

Verfolgt man – warum auch immer – ab und an das, was sich heute Nachrichten schimpft, dann stolpert man regelmäßig über folgendes Szenario.

Es passiert ein Unfall, Attentat oder gar eine Katastrophe an irgendeinem Ort der Welt.

Und so sicher wie das Amen in der Kirche kommt in einem Nebensatz „es kamen X Deutsche ums Leben“ oder „unter den Opfern befanden sich X Deutsche“.

Was soll das eigentlich?!

Ist die Tragödie noch tragischer, weil Deutsche Staatsbürger umkamen?

Oder ist ein Deutscher mehr wert als ein Türke, ein Russe, ein Chinese, ein Mensch aus [bitte Name eines beliebigen Landes einfügen]?

Natürlich nicht so viel, wie ein US-Amerikaner … das ist klar.

Der US-Amerikaner ist die Perle unter den Menschen. Es wird eher über einen Amerikaner berichtet, dem heißer Kaffee über die Hose geschüttet wurde, als über 1,5 Millionen Menschen in Zentralafrika, die still und heimlich ausgelöscht wurden.

Ist es nicht schlimm genug, dass man ständig nur Tot und Elend in den Nachrichten vorgesetzt bekommt?

Sind die Katastrophen und Unfälle ansich nicht schlimm genug?

Reicht es nicht, wenn 100 Menschen beim Flugzeugabsturz umkamen?

Warum ist es wichtig, ob Deutsche Staatsangehörige darunter waren?

Weil es sonst keinen interessiert? Einfach weil zuviele Menschen jeden Tag sinnlos sterben? Oder weil man vielleicht sonst nicht denkt „das hätte ich sein können“? Oder ist es das perverse Gefühl von „ich hab’s doch gleich gesagt“ – oder anders ausgedrückt „selber Schuld, dass der Urlaub in Indonesien gemacht hat – geschieht ihm recht beim Bombenattentat umzukommen“.

Kann mir das mal jemand erklären?