Deus Ex:Human Revolution – schleichender Munitionsmangel!

Wie habe ich mich auf Deus Ex – Human Revolution gefreut.
Den ersten Teil habe ich sehr gemocht, auch wenn er bisweilen doch einen knackigen Schwierigkeitsgrad besaß.
Wochen- gar monatelang habe ich den Fortschritt des Projekts beobachtet und ab und an die Hände in Vorfreude aneinander gerieben.
Die Versprechen der Entwickler, es wieder am ersten Teil und nicht dem weniger gelungenem zweiten zu orientieren, trugen ihr übriges zu meiner Euphorie bei.
Dann vor wenigen Tagen endlich der Releasetermin.
Und wie fast immer heute: DRM/Steamzwang, recht teuer (knappe 50€), keine Demoversion.
Aber die meisten Onlinemagazine haben gute Bewertungen gegeben.
Also was kann schon schief gehen?
Die häufig bemängelten Fehler konnte ich auch direkt sehen.
Die deutsche Sprachausgabe ist recht ordentlich – aber völlig lippenasynchron.
Der Schwierigkeitsgrad ist auch jetzt wieder recht knackig.
Grafische Ergüsse darf man wieder nicht erwarten. Die Grafik ist einfach nicht auf der Höhe der Zeit.
Wenigstens läuft es auch mit allen Details auf Maximum mit meinem System (Phenom II, Radeon 5770) nahezu ruckelfrei.
Die Portierung von der Konsole merkt man an einigen Ecken und Enden.
Ladezeiten und Levelübergänge lösen auch keine Freudenstürme aus,; vor allem die Wegfindung über Levelgrenzen hinweg ist suboptimal.
Ebenso wenig begeistern die KI der Gegner. Im einen Augenblick sind sie strohdoof, im nächsten scheinen sie hellsehen zu können. Im ersten Augenblick kann man von erhöhter Position 20 KI’s erledigen, im anderen strömen dutzende, immer neue und große Gegnerhorden herbei, welche einen in Sekunden zu Boden strecken.
Aber all das (und einiges mehr) könnte ich irgendwie verschmerzen, wenn, ja wenn da nicht einige böse Klopper wären, die mir den Spielspaß komplett ruinieren.

Zunächst wäre da der schon mehr als lächerliche Munitionsmangel.
Findet man eine Waffe oder eine Munitionskiste, hat man damit meist nicht einmal genug, um einen einzelnen Gegner auszuschalten. Verstärkt wird dies dadurch, dass das Inventar zunächst arg klein ist und im Verlauf auch nur schrittweise vergrößert werden kann.
Ernsthaft, wie soll ich einen Raum mit 7 KI-Gegnern und einem Geschützturm säubern – mit einem einzigen Betäubungspfeil … ?!
Es können Ewigkeiten vergehen, bis man mal wieder die passende Munition zur Lieblingswaffe findet. Wer diese nach einiger Zeit weglegt, weil entsprechende Munition nicht mehr vorkommt, wird sich wünschen sie behalten zu haben. Denn dann kommt für die neue Waffe wieder eine lange Durststrecke. Viel mit sich schleppen kann man aufgrund es beschränkten Inventars aber nicht, da auch und vor allem Munition sehr viel Platz wegnimmt.

Von der versprochenen Vielfalt der Möglichkeiten ans Ziel zu gelangen, kann ich auch nicht viel wieder entdecken.
Ab und an gibt es einen Luftschacht oder man kann über ein paar Kisten steigen und eine Abkürzung suchen. Diese sind aber allzu häufig nur mit richtiger Augmentierung nutzbar, bspw. bei Fall aus großer Höhe oder wenn schwere Kisten vor einem Luftschacht stehen oder beim aufreißen einer Wand.
Vielfach war die Rede davon, dass man fast das gesamte Spiel ohne Gegner ausschalten zu müssen erledigen kann.
Auch davon habe ich nichts gemerkt.
Teilweise bleibt mir keine andere Möglichkeit, als eben die gesamte Region zu „säubern“.
Wobei dies wieder Unmengen an Munition benötigt, welche stets Mangelware bleibt.
Wer die Hoffnung hegt, ein Level abgeschlossen und im Zuge dessen seine Munition verbraucht zu haben und im nächsten Level neue zu finden … der irrt gewaltig.
Wie oft habe ich ältere Spielstände neu laden müssen, weil eine Granate nicht am vorgesehen Platz zündete oder nur 2 von 3 Schüssen ihr Ziel trafen.
Oder weil mich irgendeine Wache wieder irgendwie hat aufspüren können.
In einen Raum hineingehen und alle Opponenten eliminieren ist also meist nicht möglich.
Ich habe also nicht die (angepriesene) Wahlmöglichkeit zwischen dem aggressiven Weg oder dem friedliebenden/schleichenden.
Es muss zwangsläufig geschlichen werden.
Und dieser Punkt nervt mich einfach!
Deus Ex – Human Revolution sollte nicht beworben werden mit „Action-Rollenspiel“.
Rollenspielelemente sind nicht wirklich ausgeprägt und die einzig  wirkliche Action vollzieht sich darin den Wachen aus dem Weg gehen zu müssen.
Die Hälfte der Zeit war ich damit beschäftigt zu gucken, welche Wache welchen Weg geht, sich wann umdreht und sich wo an den Eiern krault.
Irgendwann war ich das leid. Bis etwa zur Stunde 15 (Reise zur Oberstadt in Hengsha) habe ich wirklich versucht nur Betäubungspfeile zu verwenden oder den feindlichen Soldaten aus dem Weg zu gehen.
Aber irgendwann war ich so genervt, dass ich nur noch alles niedergemäht habe, was sich bewegt – genau in der Manier der Computergegner, welche auch gerne einmal alles ohne Rücksicht auf Verluste niedermetzeln. Warum also nicht gleiches mit gleichem begegnen?
Selbstredend führt diese durch Frustration hervorgerufene „Taktik“ nicht zum Ziel.
Eben weil man schnell keine Munition mehr hat, keine neue mehr findet und selbst der Nahkampf Energie frisst und somit limitiert ist.
Ohnehin hält man einen Nahkampf nicht lange durch, weil man häufig nach 2-3 Treffern den Schriftzug „Game Over“ liest.
Ich persönlich verstehe ja unter „Spiel“ eine Freizeitbeschäftigung, die mir Spaß macht.
Also einfach der Geschichte folgen, kreative Ideen von Leveldesignern erkunden, mich an schöner Grafik und gutem Sound erfreuen und Co. – und vielleicht auch hier und da nur etwas sinnlos ballern oder auch mal hier und da dem Gegner geschickt ausweichen.
Ein Spiel, bei dem man zwingend schleichen und dem Gegner ausweichen muss und bei dem dann zu allem Überfluss weder die Story wirklich überzeugt, noch die Grafik, noch das Gameplay …
das ist nicht unbedingt mein Fall.

Fazit:
Alle die Schleichen und Ansätze von Realismus mögen und gerne Levels teilweise mehrfach durchspielen, bis sie die perfekte Lösung gefunden haben, können bedenkenlos zugreifen.
Menschen die eher Freude an gradliniger Story, guter Grafik und Spielspaß ohne viel Frust besitzen, sollten vielleicht doch eher zu anderen Titeln greifen, wie zum Beispiel Mass Effect 2.
Das ist zwar vielleicht etwas mehr Arcade/Casual, frustriert aber weniger mit häufigen „Speichern+Laden“-Tiraden, weil das nicht aufhörende Schleichen nicht immer perfekt klappt.

Schlecht ist es sicher nicht – aber wirklich gut eben auch nicht. Vor allem das zwangsweise Schleichen macht viel Potenzial zunichte.

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