Die Grünen – eine Dagegen-Partei?

Dagegen, Dagegen!

Die Darstellung der Grünen als „Dagegen-Partei“ finde ich mitunter nicht so witzig.
Aber wie das so ist … wenn man keine Argumente hat, dann bastelt man sich welche.
Auch ich bin mit manch einer Entscheidung der Grünen Partei nicht einverstanden, klar.
Ist aber nur logisch: man kann es eben nie allen recht machen.
Aber als Dagegen-Partei sehe ich die Grünen nicht – wobei ich als Mitglied der Grünen hier natürlich nicht objektiv sein kann.
Den „Dagegen-Stempel“sehe ich erst recht nicht bei so Vorhaben wie eben Stuttgart 21 angebracht.
Wo ist denn das Problem?
Ich kann doch FÜR die Bahn sein, aber GEGEN ein sinnloses, teures Einzelprojekt. Erst recht, wenn vielfach im gleichen Atemzug kleine, regionale Strecken abgebaut oder ausgedünnt werden.
Oder Atomkraft. Ich kann doch GEGEN Atomkraft sein, aber FÜR ein intelligentes und stabiles Stromnetz.
Politik besteht doch nicht nur aus Schwarz und Weiß.
Ich kann doch wohl eine Sache differenzierter sehen, als nur Dagegen oder Dafür.
Das ist doch nicht die Mafia „für uns oder gegen uns„.
Mal ernsthaft … was soll das?
Sieht man in der CDU, der CSU und der FDP wirklich alles immer schwarz/weiß?
Oder findet man wirklich keine intelligenten Argumente?

Auch die Kritik „Fähnchen im Winde“ sehe ich nicht als gerechtfertigt an.
Entscheidungen, bei denen die Grünen in der Vergangenheit beteiligt waren, werden immer und immer wieder als Negativbeispiel vorgehalten und so die Regierungsfähigkeit in Abrede gestellt.
Hier kann ich nur sagen, was ich dann immer sage: Politik ist zwangsläufig immer Trial and Error.
Man kann eben nicht mit dem Finger schnippen und schwups – das Paradies ist da.
Man macht zwangsläufig immer Fehler.
Immer, jeder, ständig wieder.
Auch die hoch geschätzte CDU/CSU oder FDP ist nicht frei von Fehlern – ebenso wenig, wie andere Gruppierungen.
Man muss nur dafür sorgen, dass man diese Fehler nicht wiederholt.
Ich habe kein Problem damit zu sagen – ok, was wir damals gemacht haben (bspw. Zustimmung zum Afghanistan-Einsatz) war eine blöde Idee.
Oder HartzIV, welches die Grünen unter Schröder mit zu verantworten haben.
Ansich ja eine lobenswerte Idee, dass jedem ein Existenzminimum zusteht.
Die Umsetzung war die reinste Katastrophe. Ich denke da sind wir uns einig.
Als Konsequenz daraus machen wir es so nicht wieder.
Intelligenz erlaubt Veränderung. Wenn ich sehe, dass das nicht gut war, dann mache ich es eben nicht wieder.
Ich renne doch nicht 50 Mal mit dem Kopf gegen die Wand, obwohl es schon beim ersten Mal nichts gebracht hat – nur um mir nicht sagen lassen zu müssen, ich würde meine Meinung ändern.
Aber das wird einem gleich als Untreue gegenüber den eigenen Grundsätzen ausgelegt.
Vielfach lässt sich einfach im Vorhinein nicht oder schwer erkennen, welche Auswirkungen bspw. ein neues Gesetz hat.
Das kann den gewünschten Effekt haben, aber auch brutal nach hinten losgehen.
Dann muss man das eben wieder ändern. Wo ist das Problem? Was nicht passt, wird passend gemacht.
Was anderes sind Situationen, wo jeder direkt mit etwas gesundem Menschenverstand sehen kann, dass das eine blöde Idee ist.
So zum Beispiel immer mehr hochradioaktiven Müll zu produzieren, während man nicht weiß, wohin damit – und darauf hoffen, dass man eines schönen Tages damit wird umgehen können.
Das ist von vornherein eine dumme Idee. Da braucht man sich auch später nicht damit raus reden mit „das hätten wir ja nicht wissen können“.

Was man vielen Mitgliedern der Grünen – wie vielen oder gar den meisten Mitgliedern jeder größeren Partei – vorwerfen kann, dass sie sich mit dem System abgefunden haben und nun irgendwie versuchen sich damit zu arrangieren.
Viele versuchen nicht mehr etwas zu verändern und vielleicht zu verbessern.
Man möchte entweder das System zu seinem Nutzen erhalten.
Oder man ist so desillusioniert, dass man aufgegeben hat.
Das kann ich als generellen Vorwurf gelten lassen.
Die Grünen sind ganz klar mittlerweile angepasst. Die oberste Riege, also diejenigen, die wirklich in Ämtern sind, noch deutlich mehr, als die Basis.
Aber eine bessere Alternative sehe ich gerade nicht …

Daher darf man sich nicht nur auf Politik verlassen.
Wenn man darauf wartet, dass „die da oben“ alles zum Besten wenden, dann hat man schon aufgegeben.
Man kann aber die Politik in die gewünschte Bahn lenken.
Einfach durch Mitmachen bei Entscheidungsfindungen, selbst bei sich anfangen und sinnvoll handeln oder sich mit anderen zu kleinen Netzwerken zusammenschließen und so versuchen zumindest im Kleinen etwas zu verändern.

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