Wie ich mir eine stabile Wirtschaft mit stabilem Finanzsystem vorstelle?

In letzter Zeit befasse ich mich etwas näher mit dem Thema Geld, Finanzpolitik und Kreditvergabe.
Aus dem einfachen Grunde: erst wenn es irgendwo hapert, kümmert man sich darum – und informiert sich diesbezüglich.

Nachdem ich ja an anderer Stelle bereits meine Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Finanzsystem dargelegt hatte, hier mal ein etwas anderer Blogeintrag.
Getreu dem Motto: meckern kann jeder, Verbesserungsvorschläge haben wenige …
Hier also mal ein bisschen Brainstorming zu einem vielleicht besseren und stabileren Geldsystem und „guten Banken“.
Das wir uns nicht falsch verstehen: natürlich könnte man auch ein kreditbasiertes Bankenwesen irgendwie am Laufen halten – oder sogar völlig auf Entgelte verzichten.
Ersteres strebt aber immer auf den Kollaps zu und letzteres riecht für viele Menschen nach Kommunismus, welcher für die meisten Menschen ein rotes Tuch ist.
Daher hier der Versuch einen Zwischenschritt irgendwo in der Mitte zu finden.
Aufgaben einer Bank
Zunächst einmal muss man dann definieren, welche Aufgaben eine Bank übernehmen soll.
Und das ist wie ich finde sehr leicht zu definieren:
Entgegennahme und Sicherung von Werten (Wertgegenstände und Geld) gegen Deckung der Kosten – und Vergabe von Geld an andere zu vernünftigen Konditionen. Das war es im Grunde auch schon.
Ich denke wir sind uns einig, dass es wenig sinnvoll ist, größere Beträge Bargeld oder Wertgegenstände wie Schmuck in der Matratze zu horten.
Die Sicherheit ist schlicht nicht gewährleistet – und irgendwann ist zumindest Bargeld nichts mehr wert.
Ich als Kunde möchte also eine Verwaltungsform, welche meine Werte einlagert und eben verwaltet.
Darüber hinaus soll eine Bank den Zweck erfüllen, Menschen und Unternehmern zu vernünftigen Konditionen Geld zu leihen, damit diese damit notwendige Investitionen tätigen können.
Kostendeckung: Kreditzinsen oder Gebühren
„Vernünftige Konditionen“ ist nun ein dehnbarer Begriff.
15% Dispositionszinsen empfinde ich bspw. nicht als vernünftig – sondern als Zinswucher.
Nun ist wahrscheinlich unstrittig, dass eine derartige Verwaltung, wenn sie selbsttragend sein soll, die laufenden Kosten decken muss.
Selbst eine staatliche, sich selbst tragende Bank ohne Gewinnerzielungsabsicht muss die laufenden Kosten decken.
Nun gibt es da mindestens zwei Möglichkeiten. Ich als Bank nehme Zinsen pro entliehener Summe. Oder ich nehme eine feste Gebühr pro entliehener Summe.
Am Beispiel: ich kann mir 1000€ leihen und zahle dafür 6% Zinsen. Oder ich leihe mir 1000€, zahle keine Zinsen, sondern nur eine feste Bearbeitungsgebühr von bspw. 60€.
Die beschränkenden Laufzeiten sind bei beiden Formen gegeben.
Bei der reinen Gebühr, also der bloßen Begleichung der tatsächlichen Kosten, kommt das Zinseszins-Konzept nicht zu tragen.
Damit kann ich schwerer in die Lage kommen, irgendwann bereits die stetig steigende Zinslast nicht mehr bedienen zu können, geschweige denn die eigentliche Grundschuld abzutragen.
Inflation und Geldmenge
Diese Idee beinhaltet natürlich immernoch Inflation und Geldwertverlust.
Da ich stets Gebühren abgeben muss, verringert sich die eingelagerte Grundsumme ohne weiteres Zutun und Kompensation von außen.
Ich als Kunde bin daher stets gezwungen Erträge zu erwirtschaften, um nur diese Abgaben zu tätigen.
Dies ist aber so oder so gegeben. Alles um uns herum sind offene System(inklusive uns selbst), in denen stets Arbeit verrichtet und Energie von außen zu geführt werden muss.
Ich muss also stets Arbeit verrichten – ob ich will oder nicht. Allein schon um mich am Leben zu halten. Das ist also kein Hindernis.
Der Vorteil eines Systems ohne Zinsen, sondern mit reinen gebühren für die Nutzung, wäre ganz klar:
Die Geldmenge bzw. Wertmenge steigt nicht exponentiell an.
Ich kann nicht einfach eine Million auf dem Konto liegen lassen und habe nach x Jahren 2 Millionen. Sicherlich ist die Kaufkraft in diesem System nach y Jahren nicht mehr die gleiche.
Aber dennoch habe ich aus dem Nichts ein Mehr generiert, was jemand anders irgendwie hat erwirtschaften müssen.
Dieser jemand musste ständig Zinsen bedienen und hat demjenigen, dem das Geld eigentlich gehört und dem Verwalter, also der Bank, ein Mehr eingebracht.
Verteilungsgerechtigkeit
Nun kann man sich streiten, ob das ein sozial akzeptables System ist.
Dieser Meinung bin ich nicht.
Wenn wir uns die Verteilung von Geld und Besitz anschauen, dann ist diese absolut eindeutig.
Die oberen 10% der Nutzer besitzen den überwiegenden Teil der Gesamtgeldmenge und des Gesamtbesitzes.
Und diese Menge wird ähnlich einem Schneeballsystem stets weiter nach oben hin vermehrt – einfach durch den Zins.
Das System ist also darauf angelegt den Besitz Weniger zu mehren – ohne erkennbare Gegenleistung.
Eine Bank ist in diesem System am Gewinn beteiligt, sowohl durch Zinsnahme, als auch durch sehr viele zum Teil undurchsichtige Gebühren.
In neuerer Zeit wurde zudem versucht diese Gewinne noch weiter zu mehren – nicht nur auf Seiten der Banken.
Kurfristigkeit und Kurzsichtigkeit
Nachhaltigkeit und Weitblick zählten lange Jahre nicht. Es wurde Wert gelegt auf kurzfristige Gewinne mit teils extrem hohem Risiko.
Immer undurchsichtigere Finanzderivate entstanden. Immer mit der Prämisse möglichst kurzfristig möglichst viel Gewinne einzubringen – und dabei möglichst intransparent zu sein.
Mit einfachen und relativ transparenten Angeboten, wie bspw.einem Sparbuch, ist es schlicht nicht möglich viel Rendite zu erwirtschaften und das Angebot vielen Nutzern schmackhaft zu machen.
In dem Wunsch (man könnte auch von Gier reden) immer mehr Gewinn zu erwirtschaften, kamen dann immer undurchsichtigere Formen auf den Markt. Hedgefonds, Immobilienfonds, Verkauf von Schulden an andere im Paket, …
Nun, wir wissen ja, wohin das geführt hat …
Man hat sich viel zu weit vom eigentlich Grundgeschäft entfernt.
Grundgeschäft einer Bank
Sinn und Zweck war ja eigentlich nur: reine Verwaltung.
Verwaltung des Geldes, Ausgabe an private Kreditnehmer und an die Realwirtschaft.
Ein Finanzsystem ist letztlich nur ein Werkzeug für die Realwirtschaft. So sollte es zumindest sein – und so war es auch lange Jahre. Erst in den letzten 30 Jahren etwa, reifte die zweifelhafte Erkenntnis, dass dem nicht so sei.
Die Erkenntnis, dass Geld kein Werkzeug, sondern Eigenzweck ist, ist eher eine neuere Entwicklung.
Sinn und Zweck von Geld ist ja lediglich, als universelles Tauschmittel zu fungieren.
Wenn jemand ein Haus bauen will und seine Handwerker mit 5 Tonnen Möhren bezahlen will, dann ist das … suboptimal.
Geld ansich ist also durchaus eine gute idee.
Auch hier kommt es wieder auf eine vernünftige Umsetzung an.
Geldfluss
Geld als reines Werkzeug muss jedoch auch stets verfgbar sein. Wie gesagt: in der Matratze schlummern bringt nichts.
Es muss im Umlauf bleiben, um quasi Arbeit verrichten zu können, an der Stelle, an der es gerade benötigt wird.
Wie erreicht man aber, dass Geld im Umlauf bleibt, also ständig fließt und die Sparquote nicht zu hoch ist, also das Geld gebunkert wird und im System fehlt.
Wenn es auf das Kapital Zinsertrag gibt, dann ist möglicherweise zuviel Kapital gebunden.
Zudem erhöht sich dann wieder die Geldmenge und eine Inflation ist immanent.
Wenn ich jedoch keine Zinserträge auf Kapital bekomme, also keinen Vorteil dadurch habe, dass das Geld lange irgendwo verweilt, dann muss ich es stets im Sytsem halten, um evtl. Gewinne erwirtschaften zu können.
Wobei man nie den Zustand erreichen wird, dass nichts gespart wird.
Geldansparungen gab es immer und wird es auch weiterhin geben – zumindest kurzfristig.
Wenn ich jedoch nun mit meinem überschüssigen Kapital Gewinne erzielen will, muss ich wieder realwirtschaftlich investieren – ansonsten verringert sich der Wert.
Umflusserzwingung
Es gibt und gab historisch einige Versuche, in denen die Entwertung des Geldes vorgeschrieben war.
So wurde bspw. auf Geldscheinen nach einer gewissen Zeit ein neuer, reduzierter Wert aufgetragen, wenn dieses System lange angespart wurde, ansatt im Fluss zu bleiben. Oder es wurden Teiles des Geldscheines abgeschnitten udn repräsentierten nun einen geringeren Wert.
Die Menschen taten also alles, um das Geld kurzfristig gegen Dienstleistungen und Güter einzutauschen.
Nun dürfte es wenig praktikabel sein, jeden Monat jeden einzelnen Schein im Wert herabzustufen. Dazu gibt es zuviele.
Wobei: große Teile des Geldes sind nicht mehr physisch existent.
In Zeiten von Internet und Globalisierung kursiert das meiste Geld elektronisch.
Geldentwertung
Eine Entwertung des Geldes hat also durchaus gewisse Vorteile.
Ziel muss es dann jedoch sein, diese Entwertung auf niedrigem Nievau zu halten.
Das gesamte System ist darauf ausgelegt, dass diese Entwertung nur im kleinen Maße existiert.
Höhere Geldentwertungen führen unweigerlich zum Kollaps einer jeden Volkswirtschaft.
Ressourcen und Umwelt
Ein Wirtschaftssystem ansich, mit einem Finanzsystem als Werkzeug, setzt also auf Entwertung, um das System am Laufen zu halten.
Dies beinhaltet dann auch stetigen Konsum und ein gewisses Wachstum.
Konsum gab es immer udn wird es imme geben – eben weil wir alle offenen Systeme sind, die ständig Nährstoffe ud Energie von außen benötigen, um zu überleben.
Hier stoßen wir natürlich wieder auf gewisse Grenzen.
Unendliches Wachstum gibt es nicht, da die zugrundeliegenden Ressourcen endlich sind.
Hier fällt ein Spagat schwer zwischen Wachstum und Endlichkeit.
Und ein jedes Wirtschaftssystem – und damit auch sein Werkzeug Geld – ist von seinem Basissystem (also den Ressourcen des Planeten) absolut abhängig.
Es kann nicht voneinander getrennt werden.
Stabiles Wertsystem
Die Frage ist dann: kann es ein Wirtschaftssystem und Geldsystem mit wirklicher Stabilität geben?
Ein System also, welches lediglich die immer gleichen Ressourcen, mit Geld als universellem Umrechnungsfaktor, im Fluss behält?
Geht das?
Ich sags mal so: heute nein.
Ein solches System könnte auf einer anderen/kleineren Entwicklungsstufe und einigen Bedingungen funktionieren.
Es könnte funktionieren, wenn alles was ich nutze und produziere wieder in den großen natürlichen Kreislauf zurückkehrt oder ewig wiederverwendbar ist.
Zudem funktioniert dies auch nur bei ansonsten stabilen Bedingungen.
Diese Stabilität ist aber schon aufgrund des Bevölkerungswachstums nicht gegeben.
Das klingt jetzt nach Ökospinnerei – zugegeben.
Wenn ich jedoch Ressourcen verarbeite und diese später nicht mehr nutzen kann, weil sie nichtmehr recyclebar oder biologisch abbaubar sind, dann sind sie für mich verloren.
Ich muss dann diesen Verlust anderweitig kompensieren.
Das System hat also an einer Stelle einen Abfluss und um es stabil zu halten muss ich auf der anderen Seite der Waage stets zugeben.
Stabilität von Geld und dessen Menge kann es allein deshalb nicht geben, weil die Grundbedingungen nicht stabil gehalten werden.
Was muss man ändern?
Um Stabilität sicherzustellen, muss ich wie gesagt stabile Rahmenbedingungen haben.
In erster Linie muss man sich des Multiplaktors der Probleme nnnehmen: die Überbevölkerung.
Stabilität von Werten kann es nicht eben, wenn ich diese mit immer mehr Menschen teilen muss oder dieser Wert durch unsachgemäßen Verbrauch schwindet.
Dann muss man dafür sorgen, dass die Ressourcen so verarbeitet werden, dass sie ohne Abzüge wiederverwendbar sind.
Erst dann kann man sich um die Finanzpolitik kümmern, also letztendlich die akzeptable Verteilung von Ressourcen.
Wichtig hier wäre, einfach um die soziale Gerechtigkeit, die von den meisten gewünscht wird, stabil zu halten: keine Zinsen mehr.
Das Geld muss im Fluss gehalten werden, um stets Arbeit verrichten zu können.
Wenn es irgendwo zu lange liegen sollte, dann verliert es an Gegenwert. Ich muss gezwungen sein, stets schnell Geld ins System zu geben.
Und in letzter Konsequenz muss eine Bank wieder radikal zurück zu ihren Wurzeln:
nämlich bloße Verwaltung des Geldes Anderer – ohne Gewinnerzielungsabsicht.
Was kann man schneller ändern?
Letztlich dürfte es jedoch leichter sein, zunächst die Finanzpolitik zu ändern und anschließend die übergeordneten Probleme in den Griff zu bekommen.
Vielleicht hilft eine Umstellung auch bei der Bewältigung. Vielfach ist eine hohe Geburtenrate auch Ausdruck reiner Notwendigkeit.
Wenn Ressourcen schlecht verteilt werden, wenn die Bedingungen hart oder gar tödlich sind, ich in Armut lebe …
Dann bin ich auf viele Kinder angewiesen. Wohlwissend, dass viele nicht überleben werden und ich im Alter jemanden brauche, der mich mitversorgt.
In westlichen Ländern ist dieses Modell nicht mehr zwingend notwendig. Dort hat sich eine übergeordnete Sozialstruktur dieses Problemes angenommen. Die jetzige Überalterung ist nur die letzte Welle des alten Systems. Wenn diese Welle abgeebbt ist, hat man deutlich weniger Probleme. Das falscheste ist jetzt zu fordern, dass geburtenschwache Länder wieder mehr Kinder bekommen sollen. Letztlich nur der verzweifelte versuch das jetzige Renten- und Sozialsystem zwanghaft am Leben zu erhalten.
Das Leben ist in unseren Breiten – zumindest theoretisch – weniger hart, die Überlebenschancen des Einzelnen wesentlich besser, die Notwendigkeit vieler Kinder ist nicht gegeben.
Um also Ressourcenvernichtung zu stoppen, muss ich vielleicht kurzfristig noch mehr Ressourcen nutzen.
Wenn man einen Weg findet, eine ökologisch und sozial voll verträgliche Wirtschaft auf die Beine zu stellen, dann könnte dieses  Modell viele Probleme lösen.
Das hieße dann ganz klar: weniger für einige, mehr für die meisten.
Ressourcen und Wissen teilen, auf übergeordnete Sozialstrukturen setzen und weniger auf den Gewinn des Einzelnen.
Dann kann es eine stabile Wirtschaft mit einem stabilen Währungssystem geben.

Wobei … dann braucht man vielleicht kein Geld mehr😉