Legal Erotikinhalte distributieren – ein heißes Thema ;-)

Was ich mich frage: warum setzt die Erotikbranche immer noch auf Einzeldistribution?
Also Verkauf von Datenträgern (DVDs, Blurays) oder einzelne Webseiten von kleinen Anbietern oder auch von kleineren Verbundsystemen.
Also ein Flickenteppich an Inhalten.
Weit verbreitet war lange ja auch die Vermarktung und der Verkauf von Material einzelner Stars im Abo-System.
Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass zumindest mit letzterem wirklich großer Umsatz verbunden war.
Der Kunde entfernt sich ja seit geraumer Zeit von diesem Geschäftsmodell.
Entweder er besorgt sich das Material illegal (einfach, weil es anonym und leicht verfügbar und zudem billig ist) – oder er bewegt sich Richtung kostenlose Amateurschiene, welche deutlich gestiegene Aufmerksamkeit bekommen hat.
Warum gibt es nicht so etwas wie eine Mischung aus Steam und eBay – für Erotikinhalte.
Also eine geschlossene Plattform, am besten mit entsprechender Software, auf der möglichst viel Content angeboten wird.
Damit hätte man auch das Problem des nicht existenten Jugendschutzes im Netz angegangen, wo einem ob willentlich oder nicht häufig derartiger Content im die Ohren gehauen wird.
„The internet is made for porn“ ist auch durchaus nicht haltlos.😉

Man könnte sich doch durchaus eine Steam-ähnliche Software vorstellen, auf der man Content anbieten könnte.
Dann könnte man über zwei Wege nachdenken.
1.) Streaming-Angebote zum einmaligen nutzen zu geringen Kosten – also ein „Pay per View „-Modell
2.) eine Art Flatrate Modell mit zu definierendem Umfang
Die Preise müssten so oder so verträglich gestaltet sein.
Nutzungslizenzen, bzw. das Recht ein bestimmtes Material mehrfach zu nutzen ist in diesem Bereich wohl weniger sinnig – denn wer guckt sich schon den ewig gleichen Content immer und immer wieder an?
Das ganze könnte man dann auch so aufbauen, dass man zumindest anonym bezahlen kann – bspw. per Paysafecard. Man könnte dann immer wieder Guthaben aufladen und dann nach und nach verbrauchen.
Schließlich möchte der ein oder andere vielleicht nicht seine Aktivität nachvollziehbar wissen gegenüber seiner Familie.
Interessant wäre auch – um das illegale Kopieren zu verhindern und so das System ad absurdum zu führen – das Anbringen eines nicht sichtbaren Wasserzeichens im Content selbst. Dieses Wasserzeichen könnte dann eine Zuordnung (bspw. ein Zahlencode) beinhalten, welche dem Anbieter bekannt ist, allen anderen aber nichts bringt.
So ließe sich vom Betreiber sofort nachweisen, wer das entsprechende File illegal geshared hätte.
Sicherzustellen wäre bei einer solchen Software natürlich ein gewisser Jugendschutz, wobei eine Verifikation bspw. mittels Kreditkarte suboptimal sein könnte.
Schwierig wäre die Abwägung zwischen der gewünschten Anonymität des Nutzers, aber auch dem berechtigten Interesse des Anbieters vernünftig und rechtssicher agieren zu können.
Dazu muss er über seine Kunden gewisse Geschäftsdaten anlegen. Immerhin geht es auch um solche Dinge wie Rechnungslegung und Haftungsansprüche, …
Oder der Plattform-Anbieter müsste nach Timbuktu auswandern, um dies zu umgehen. Das ist sicherlich nicht im Sinne des Erfinders.

Die Plattform ansich würde dann die Distribution wahrnehmen, ähnlich dem Geschäftsmodell von eBay oder dem Amazon-Marketplace.
Eine Plattform also, wo Content-Anbieter mit Endkunden zusammenkommen, ohne sich jedoch um die Verwaltung kümmern zu müssen.
Man liefert letztlich nur das Material selbst und kümmert sich nur noch um Produktion und Übermittlung des Endmaterials, nicht mehr jedoch um Vertrieb, Marketing, Marktforschung, Bezahlung, Verfolgung von Urherberrechtsverletzungen,  und dergleichen.
In jedem Falle muss der Content-Produzent dadurch deutliche Vorteile sehen – sonst wird es nicht genutzt.

Interessant wäre natürlich auch folgende Idee:
Man eröffnet eine solche Plattform nicht nur für Erotik-Material, sondern für jegliches digital vorliegende Material.
Also auch Filme, Serien, Dokumentationen, eBooks, Musik, Spiele, …
So hätte man auch nicht das Problem gegeben, dass man haben könnte, wenn man eine Software ausschließlich für jenen Zweck anbietet.
Eine Stigmatisierung einer solchen Software wäre kaum gegeben – schließlich kann sie jeder für alles nutzen.
Nur gäbe es dann, quasi wie in der Videothek, einen ab 18 Bereich.
Wobei ich nicht weiß, ob andere, Nicht-Erotik-Content-Anbieter da mitziehen würden.

Die entsprechenden Anbieter könnten die Preise für ihr Material ebenso wie bei eBay oder Amazon selbst bestimmen. Dabei würden sich die Preise relativ schnell einpendeln.
Sind sie zu hoch, geht der Umsatz zurück. Es gälte also gerade so günstig zu sein, dass der Kunde den Preis akzeptiert.
Allerdings muss auch soviel Umsatz bzw. Gewinn generiert werden, dass der Produzent weiter arbeiten kann.
Der Plattformanbieter bekäme dann entweder einen Festpreis oder eine Umsatzbeteiligung.
Schließlich muss er die Server und den Traffic, das Personal, etc. bezahlen und Steuern abführen.
Wichtig ist in jedem Falle – wie bereits erwähnt – dass genügend Content verfügbar ist.
Für 3 Filme würde sich das wohl kaum lohnen.😉
Günstig wäre natürlich, wenn möglichst alle Hersteller (ob professionelle größere Firmen, semiprofessionelle und Amateure) des entsprechenden Inhaltes hier vertreten wären.

Der Plattformbetreiber müsste jedoch dann möglichst unabhängig agieren.
Ebenso darf er nicht zu hohe Umsatzbeteiligung fordern, wie dies bspw. Steam gerade tut, weil das die Endpreise in die Höhe treibt und die Plattform vom Endkunden (zumindest von vielen) gemieden würde.
Der Endkunde hätte aber in jedem Fall den Vorteil: er geht keine langfristige Bindung ein, wie etwa bei Steam.
Würde die Plattform morgen abgeschaltet, hätte er kaum etwas verloren. Schließlich handelt es sich größtenteils um austauschbaren Content.
Sollte er dann doch langfristige Interessen verfolgen, stünde es ihm jederzeit frei den Content auf der Festplatte zu sichern. Nur Filesharing wäre tabu – aufgrund der Nachverfolgbarkeit mittels Wasserzeichen.

Der Endkunde müsste sich jedoch letztlich um nichts kümmern.
Lediglich Software herunter laden, Alter verifizieren, Bezahlung klären und los geht’s.
Das Material liegt in vielfältiger und qualitativ hochwertiger Form vor und die Auswahl ist groß.
Und man kommt nicht in die Verlegenheit irgendwelche Kreditkartenabrechnungen erklären zu müssen, wenn man das anonyme Prepaid-System nutzt.
Und irgendwelche DVDs vor seiner Frau im Schrank verstecken fiele auch weg.😉 Da das ganze vorzugsweise mittels Account und verschlüsselter Datenübertragung verläuft, hat auch sonst niemand eine Möglichkeit die Aktivitäten zu verfolgen.

Vorteil für den Endkunden wäre auch ganz klar: er muss nicht auf irgendein Format setzen. Der Plattformanbieter passt den Content dem derzeit vorherrschenden Format an. Man bedenke bspw. was im Laufe der Zeit aus alten Distributionsformen geworden ist. Sie sind kaum noch nutzbar. Videokassetten kann man kaum noch nutzen, irgendwann kann man auch CDs, DVDs und Blurays nicht mehr lesen.

Andererseits – Stichwort digitales Vergessen – hätte man hier wie ich finde weniger Probleme damit, wenn mal irgendein Content nicht mehr verfügbar sein sollte. Schließlich ist es austauschbar und nur kurzfristig von Interesse. Lediglich Anthropologen könnten langfristig daran Interesse haben – nach dem Motto „so war das also vor x Jahren“.

Einziger Haken: die schlechte Anbindung mancher Gebiete an Breitbandinternet.
Mit einem 56K-Modem dürfte das sicherlich keinen Spaß machen. Wobei … für all jene mit schlechter Anbindung könnte man auch wahlweise hochkomprimierende Formate anbieten.😉

Ich bin mal gespannt, wann sich dieses Geschäftsmodell auftut – und ob es sich durchsetzen kann.
Oder gibt es da schon und es hat sich nur noch nicht herumgesprochen?