Peak Oil und Grundeinkommen oder: Alles eine Frage des Systems

Ich bin ja durchaus ein Freund der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens mit allen potenziellen positiven Effekten.
Aber darüber will ich jetzt garnicht im Detail reden.
Die Frage ist jetzt: bringt die Umsetzung dieser Idee überhaupt noch etwas?
Viele bemerken langsam aber sicher, dass das bestehende System nicht funktionieren kann.
Weder das Finanzmarktsystem noch das Wirtschaftssystem.
Weder unendliches Wachstum mit beschränkten Ressourcen, noch die Erschaffung von (Fiat-)Geld ohne realen Gegenwert und Beibehaltung von Zins und Kredit.
Nun gibt es wie ich finde (aber darüber lässt sich streiten) immer drei Zustände auf Systemebene.
1.) das System funktioniert einigermaßen – und man muss nichts ändern
2.) das System funktioniert nicht – und man versucht es anzupassen (Evolution/Reformierung)
3.) das System funktioniert nicht – und man bricht mit dem alten und baut ein neues System (Revolution)
Wenn das jetzige Finanzmarkt- und Wirtschaftssystem zusammenbricht – und die Anzeichen dafür mehren sich erschreckend – dann bringt mir auch ein Grundeinkommen nichts – erst recht nicht finanziert mittels Konsumsteuer.
Schließlich funktioniert dieses nur unter der Prämisse, dass zumindest die wesentlichen Grundzüge des Systems funktionieren.
Nun habe ich ein ähnliches Problem, welches ich zum Beispiel bei der Beantwortung von manchen Umfragen habe.
Wenn dort etwa steht „stimmen sie zu, dass der Hartz IV Regelsatz zu niedrig ist?“, dann fällt mir eine Beantwortung schwer.
Denn mir ist nicht nur der Satz zu gering, nein, das gesamte System „Hartz IV“ ist Murks und gehört sofort auf den Müll.
Dass wir uns nicht falsch verstehen: eine Grundsicherung war sicherlich keine schlechte Idee, aber die Umsetzung war und ist katastrophal.
Die Frage nach einem Detail eines Systems zu beantworten, während man das übergeordnete System für untauglich und ineffektiv hält, ist schwer.
Was also tun?
Mit ja antworten, weil eine Systemänderung in zu weiter Entfernung steht?
Letztlich wieder die Frage: Spatz in der Hand oder Taube auf dem Dach?
Peak Oil – also das eigentliche Thema meiner kleinen Gedankenniederschrift hier – ist aber letztlich Fakt. Ich weiß: einige Skeptiker rollen jetzt wieder mit den Augen. Mir wurscht.
Diese Wirtschaftsleistung kann nicht mehr lange aufrecht erhalten werden.
Man muss sich auch nicht die Frage stellen, womit man das Öl ersetzen kann, damit alles seinen gewohnten Gang weitergehen kann.
Das geht nämlich nicht.
Das Energieäquivalent vom über Jahrmillionen Jahre entstandenen Erdöls und Erdgases kann ich mit nichts auf diesem Planeten 1:1 ersetzen.
Da bringt auch eine Augenwischerei/ein Greenwashing wie Biosprit nichts.
Selbst wenn man ganz Deutschland von Flensburg bis Garmisch planieren und mit Mais bepflanzen würde – selbst dann würde es nicht reichen um den jetzigen Bedarf Deutschlands nach Benzin, Diesel, Heizöl, Erdgas und Strom zu decken.
Daher die Frage: was tun?
Darauf hoffen und warten, dass die Kernfusion vielleicht eines Tages doch auf Erden funktioniert? Ich fürchte soviel Zeit haben wir nicht.
Da letztlich alle Ressourcen endlich sind – mit Ausnahme der Sonnenenergien (zumindest im menschlichen Maßstab, denn auch die Sonne lebt nicht ewig), wird man die gesamte Wirtschaft (wieder!) darauf ausrichten müssen.
Das bedeutet für uns, wir müssen eine Liste machen, mit Dingen die wir zum Überleben brauchen und die Wirtschaftsleistung dahingehend umschwenken – alles andere ist erst einmal Luxus.
Keine nutzlosen Güter mehr herstellen. Energie einsparen, wo es eben geht.
Nachhaltig und langfristig wirtschaften – auch wenn das mittlerweile etwas abgedroschen klingt. Letztlich bedeutet das auch: sich angucken, wie es früher gemacht wurde und das als Grundlage nehmen – und vielleicht mit Erkenntnissen von heute optimieren.
Produkte so anlegen, dass sie sehr (!!) lange haltbar sind und nach dem Ende ihrer Nutzbarkeit entweder vollständig biologisch abbaubar sind – oder zu 100% wiederverwendbar.
Vor allem muss man aber wieder weg davon, persönlichen Profit über alles zu stellen und möglichst schnell möglichst viel aus einer Unternehmung herausholen zu wollen.
Energie und Ressourcen kann man sicherlich in den drei großen Sektoren Verkehr, Landwirtschaft und Wärmeerzeugung am schnellsten einsparen.
Diesbezüglich hatte ich ja bereits Vorschläge unterbreitet.
Man könnte bspw. beim Errichten von neuen Gebäuden Passivhausstandards zur Pflicht machen.
Ebenso eine dezentrale Stromversorgung der Häuser. Jeder Neubau und nach und nach jedes bestehende Haus müsste umweltfreundlich isoliert werden und zumindest einen Großteil des Eigenenergiebedarfs selbst decken. Stichwort: Autarkie.
Die Landwirtschaft muss schnellstmöglich wieder zu ihren Wurzeln zurück – weg von Monokulturen und Maximalerträgen, welche nur durch intensive und vor allem energieintensive (also durch Erdöl) Bodenbearbeitung möglich ist.
Keine Monokulturen, keine Kunstdünger, keine Pestizide, keine Antibiotika, keine Hybridsamen, keine Gentechnik. All das schafft nur enorme Abhängigkeiten.
Man muss das Wissen darum, wie man die Scholle vor Ort bearbeiten kann, wieder stärken.
Zum Thema Verkehr hatte ich mich auch bereits geäußert.
Schlussendlich muss es wieder auf mehr Dezentralität und langsameres Vorankommen hinauslaufen.
Sprich: alles was ich vor Ort brauche, muss auch vor Ort produziert und gebraucht werden.
Ich weiß, das ist in einem ressourcenarmen Land wie Deutschland schwer.
Man kann nicht mal eben im Garten nach Bauxit graben und sich sein Aluminium selbst herstellen, um damit sein Fahrrad selber zu bauen.
Aber alles was hier vor Ort machbar ist, muss auch vor Ort gemacht werden. Und mal eben in den Urlaub nach Neuseeland? Das gibt es auch nicht mehr.
Es muss nicht alles und jeder immer um die halbe Welt geschippert oder geflogen werden.
Man kann auch gerne mal etwas anderes als Rohstoffe oder Halbfertigwaren über die Ozeane schippern. Handel treiben könnte man auch durchaus mit fertigen Waren.
Zum Beispiel werden Shrimps aus der Nordsee gefischt, nach Marokko geschippert, um dort gepult zu werden – nur um dann wieder in Deutschland verkauft zu werden.
Viele Beladungen dieser Ozeanriesen und Jumbojets sind ohnehin reiner, überflüssiger Luxus.
Bspw. Schnittblumen aus Kolumbien oder Gen-Soya aus Argentinien für unsere Massentierhaltung.
Eben diese darf es dann auch nicht mehr geben. Warum die Tiere mästen und diese essen, wenn man die Futtermittel direkt selber essen kann? Nur weil Fleisch gut schmeckt?
Ich glaube, dass wir den kompletten Zusammenbruch zumindest unserer lokalen Wirtschaft wenigstens weicher werden abfedern können, wenn wir jetzt sofort mit dem Umbau unserer Wirtschaft und dem Hinterfragen unserer Einstellung beginnen – sonst werden wir wohl bald von den Ereignissen überrollt. Dabei können wir auch nicht warten, bis die Staatengemeinschaft kollektiv zur Vernunft kommt. Solange haben wir wirklich nicht Zeit.
Auch wenn diejenigen, welche vom jetzigen System sehr hohen persönlichen Profit abbekommen, einiges dagegen haben dürften.
Wir fahren gerade mit einem, zugegebenermaßen schicken, Sportflitzer mit 180 auf einen Abgrund zu.
Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder wir legen eine Vollbremsung hin und reißen das Steuer herum – und können zumindest aus dem Auto springen, bevor es im Abgrund zerschellt.
Oder wir machen die Augen zu und treten vielleicht sogar nochmal aufs Gas.
Ich für meinen Teil würde lieber mit ein paar Schrammen und vielleicht einer Gehirnerschütterung vorher raus springen.
Der freie Fall mag durchaus ein erhebendes Gefühl sein.
Aber irgendwann ist auch dieser zu Ende.
Aber mal wieder weg von schlechten Metaphern.😉
Dieses Wirtschaftssystem kann einfach nicht funktionieren.
Es ist schlichtweg ein System welches auf Grenzenlosigkeit setzt, welche es aber naturbedingt nicht gibt.
Je eher wir das begreifen und etwas dagegen tun, desto besser. Wenn wir also demnächst wieder in den Massenmedien – sofern wir diesen denn überhaupt noch irgendetwas glauben – von Wirtschaftswachstum und Umsatzrekorden lesen und hören, dann kann ich nur hoffen, dass immer mehr Menschen sich fragen „und? was bringt das?“.