Schlechte Wärmeisolierung – Teil 2

Leider muss ich mir zum Thema schlechte Wärmeisolierung auch an die eigene Nase fassen.
Meine Eltern wohnen in einem alten Bauernhaus/Fachwerkhaus – mehrstöckig mit großem (ehemaligen) Heuspeicher unterm Dach.
Gebaut, soweit mir bekannt,  um 1896.
Man kann sich also ausmalen, wie sehr dort damals auf Wärmeisolierung geachtet wurde.
Der Wert dürfte irgendwo bei Null liegen.
Im laufe der Zeit wurde ab und an etwas renoviert – aber nicht flächendeckend und nie besonders aufwändig – weil das schlicht unbezahlbar war.
Der eigentliche bewohnte Bereich ist etwa 120 qm groß.
Dann noch mehrere brachliegende Räume.
Unten drunter etwas Gewerbefläche und hinten dran eine kleine Wohnung für einen externen Mieter.
Nebenbei bemerkt: beim nächsten Mieter muss ich unbedingt dessen Zahlungsfähigkeit mittels SCHUFA und Co. überprüfen.
Der ist einfach mir nichts dir nichts abgehauen und hat ein Schlachtfeld hinterlassen. Stichwort: Mietnomaden. Bei denen ist auch nichts zu holen. Schon probiert.
Als ich die letzte Gasrechnung sah, traf mich fast der Schlag.
Wie hoch die war, darf ich hier garnicht erzählen.
Wie schlecht das Haus wärmeisoliert ist?
Ich will es mal so umschreiben: es ist in etwa so, als wolle man den Ozean mit einem Besen aufhalten.
Die Wärme geht an allen Ecken und Enden flöten.
Vor allem das nicht gedämmte Dach, bzw. der Dachboden lassen die Wärme ungehindert raus.
Ich war nun also die letzten Tage damit beschäftigt Einsparpotentiale zu ergründen.
Einfachste Maßnahme: Gasversorger wechseln. Dabei sind in unserem Falle etwa 500€ im Jahr Einsparung möglich. Gut, RWE im Preis zu schlagen ist auch nicht sonderlich schwer.😉
Zudem habe ich mir mal angeguckt, ob es evtl. staatliche oder kommunale Fördermaßnahmen geben könnte.
Zu meinem Erstaunen gab es dort … naja … „viele“ ist untertrieben.
Man kann es eher mit Fördermaßnahmen-Dschungel umschreiben (~6000).
Für absolut alles gibt es Fördermaßnahmen, welche sich zum Teil gegenseitig ausschließen oder ergänzen. Manche sinnvoll, manche weniger, manche gar nicht.
Irgendwann habe ich die Suche aufgegeben.
Allen gemein ist: man muss sie vorher beantragen und für viele benötigt man eine professionelle Aufnahme durch einen anerkannten Energieberater.
Und auch dieser wird nochmals mit ~300€ gefördert.
Wobei ich mir nicht vorstellen kann, was mir ein solcher Experte sagen kann, was ich nicht ohnehin schon weiß:
Wärmeisolierung nicht vorhanden! Haus auf den neuesten Stand bringen: nahezu unmöglich!
Abreißen und neu bauen ist billiger!

Es gibt sogar die Möglichkeit das Dach für eine Photovoltaikanlage zu vermieten und anstelle der Miete oder Umsatzbeteiligung eine Dachsanierung gesponsort zu bekommen. Das dürfte aber hier in Anbetracht der schieren Größe der Dachfläche niemand machen.
Kurzfristig und mit geringen  Ausgaben habe ich folgende Investitionen geplant:
Automatische Thermostate, welche die Räumlichkeiten, die nachts nicht benutzt werden, runter regeln.
Ein neues Fenster im Bad, welches das alte, undichte, nicht isolierte Holzfenster ersetzt.
Eine Styroporplatte unter der Treppe zum Dachboden, welche zumindest etwas Wärme zurückhalten sollte.
Mittelfristig müsste man zumindest den Dachboden des bewohnten Bereiches dämmen.
Mit Steinwolle oder Holzfaserdämmstoff oder Cellulose.
Wobei das leicht sehr teuer werden kann.
Ob ich das selbst machen kann und sollte … ich weiß es nicht. Ich vermute da muss ein Fachmann ran.
Das wird ein gewaltiger Haufen Arbeit.
Allein schon die Mietwohnung wieder so herzurichten, dass man dort auch nur jemanden rein lassen kann.
Teppich raus reißen, Linoleum legen (Geld in neuen Teppich investiere ich nicht mehr), dutzende Löcher in den Wänden zuspachteln, neu tapezieren, neue Fliesen legen, neue Kabel legen, Kunststofffenster reinigen, usw.
Da hab ich erst einmal eine Weile Spaß dran.
Man könnte natürlich auch einen Handwerker holen.
Aber dann kommt der nächste Mieter wieder und versaut es – dann hat man nicht einmal die Kosten der Renovierung wieder rein bekommen.
Und weil der Energiepass zwingend erforderlich sein wird, muss man da auch erst einmal isolieren.
Ich hoffe ja ernsthaft, dass es dafür auch eine sinnvolle Fördermaßnahme des Staates gibt.
Sonst sehe ich schwarz.