Mein Verkehrskonzept der Zukunft – Achtung! Utopie!

Manchmal, wenn ich mal wieder nicht schlafen kann, dann spinne ich gerne rum.
Für die intellektuellen unter euch: ich philosophiere. 😉

Die Themen sind dabei vielfältig.
Von neuen Renten- und Steuersystemen, über alternative Bautechniken bis hin zu utopischen Verkehrssystemen.

Ich möchte nicht behaupten, dass das irgendwie fundiert oder auch nur machbar wäre.
Aber Science-Fiction muss ja nicht machbar sein. 😉

Zielsetzung

Was ich mir mal zurecht gesponnen habe – möglich dass sich das jemand anders auch schon ausgemalt hat:
Ein umweltfreundliches Verkehrssystem der Zukunft.
Ein dichtes Netz, das jeder kostengünstig nutzen kann.
Man kann mit dem gleichen System ohne umzusteigen von jedem Punkt an jeden anderen Punkt gelangen.
Energiesparende Beförderungstechnik.
Kein Oberirdischer Lärm.
Keine Verkehrsunfälle mehr.
Kein oberirdischer Flächenverbrauch und damit einhergehende Flächenversiegelung.
Keine Abhängigkeit vom Wetter.
Keine Luftverschmutzung.
Keine Staus.
Keine teuren Einzelanschaffungen (Autos + Ersatzteile, LKW, kontinentale Flugzeuge, Binnenschiffe, …).
Keine KFZ-Steuer, keine Autobahnmaut.
Und so weiter.

Grundidee

Ein röhrenbasiertes, unterirdisches quasi Schienennetz.
Man legt tausende und abertausende Kilometer Tunnel an – am besten drei  oder mehr nebeneinander.
Durch die Röhren jagen  dann blitzschnell magnetisch gelagerte, also relativ reibungsarme, Kapseln.
Das System wäre quasi Transrapid meets U-Bahn meets Taxi meets Bus meets LKW meets Aufzug meets Flugzeug.
Also eine Art Best Of. 😉
Denn dieses System sollte ja möglichst den gesamten Individualverkehr übernehmen können – oder zumindest große Teile davon. Zudem fast den gesamten Güterverkehr.
Nötig wäre es dazu, dass man ein dichtes Netz mit vielen Haltestationen etablierte.

Kapseln

Die Kapseln selbst haben keinen Antrieb oder Energiespeicher und so wenige bewegliche Teile, wie möglich.
Die müssten dann stromlienienförmig optimiert sein, damit sie durch die Tunnel flutschen, wie ein Zäpfchen.
Eine Energieübertragung könnte es per Induktion geben.
Sie sind allesamt fahrerlos – genau wie ein Aufzug.
Man tippt sein Fahrziel ein und los gehts. Man kann auch von zuhause aus reservieren.
Die Kapseln – in Ermangelung eines besseren Wortes dafür – sollten relativ klein ausfallen.
Vielleicht bis 20 Personen.
Also nicht länger als 5-6 Meter, einfach um kleinere Wendekreise und damit flexiblere Versorgung mittels Tunneln sicherzustellen.
Zudem will man natürlich Leerfahrten möglichst vermeiden.
Man könnte sich verschiedene Kapseln vorstellen.
Eine normale Klasse für Berufspendler, dann etwas gehobenere Kapseln mit Liegesitzen.
Für längere Strecken Kapseln mit Schlafabteilen.
Man könnte sogar gutbetuchten Personen eigene Kapseln vermieten, die nur sie nutzen dürften.
Für den Güterverkehr quasi Hohlkapseln, welche man mit standardisierten Containern be- und entladen kann.
Oder Schüttkapseln, welche von oben mit Schüttgut befüllt werden und beim Empfänger um 90° gedreht wieder entladen werden.
Just in Time wäre hiermit natürlich ohne Weiteres möglich.
Entgegen den vorherrschenden Sitzabständen der deutschen Bahn im Moment, sollte es etwas bequemer zugehen. Größerer Abstand zu allen Seiten.
Wie in der Businessclass im Flugzeug könnte man jeden Sitz mit einem Touchscreen ausstatten und so im Netz surfen oder Filme gucken.
Die Kapseln brauchen ja eigentlich nur Sitze, einen Mittelgang, Gepäckfächer und eine relativ dicht schließende Tür – zudem ein Lüftungs- und Heizsystem.
Dicht daher, weil bei den gewünschten Geschwindigkeiten sonst ein fieser Luftzug entstünde.
Die kapseln sollten eine vernünftige Geschwindgkeit erreichen.
Wenn man mit Tempo 50 von Hamburg nach München fahren müsste, dann würde man das wohl kaum nutzen.
Also Tempo 300+ wäre durchaus angebracht.
Das Bremssystem müsste natürlich sicher sein – schließlich will man nicht von tempo 300 in 20 Metern auf 0 kommen 😉
Auf Sicherheitsgurte möchte man auch verzichten.
Am besten ein Computer mit mehrfacher Redundanz steuert bei jeder Kabine die Geschwindigkeit in Relation zu den anderen Kabinen.
Zudem bräuchte man für den Notfall autarke Sicherheits-Systeme in den Kapseln.

Haltestellen

Von den Haltestellen wäre ein sehr dichtes Netz erforderlich.
Sogar noch dichter und flächendeckender, als das jetzige Busnetz.
An den Haltepunkten könnten dann diese Kapseln mit einem Aufzug aus der Tiefe hochgefahren werden.
Man könnte dann ebenerdig einsteigen und losdüsen.
Da es in den Kapseln selbst möglichst wenig Technik geben soll, müsste man die Toiletten auslagern. In regelmäßigen Abständen könnte man größere Haltestellen mit Toiletten ausstatten – und am besten auch gleich mit Trinkwasserspendern und Snackautomaten – oder Kiosken.
Man könnte bisherige Bahnhöfe stück für Stück umrüsten – als Hauptumschlagsplätze.
Dann größere Indsustriebetriebe mit gleich mehreren von diesen Haltestellen ausrüsten.
Ebenso alles, wo viele Menschen auf einen Schlag hin müssen – Fußballstadien zum Beispiel.
Feste Fahrpläne gibt es nicht. Man tippt entweder von zuhause aus oder an der Station selbst ein, wo man hin will.
Also ein bisschen wie ein (Sammel-)Taxi.
Eine ausgeklügelte Software brechnet dann den günstigsten und kürzesten Weg für alle an Bord. Evtl. muss dann doch der ein oder andere doch mal umsteigen.
Aber Ein Computer berechnet die Reiserouten so, dass derjenige dann die Kapsel, die dorthin fährt, wo er nicht hinwill, gar nicht erst zu sehen bekommt.
Und falls man doch einmal falsch einsteigen sollte.
Ist ja wurscht. Man kommt von jeder Haltestelle an jede Haltestelle.
Man müsste aber das Haltestellennetz wirklich sehr dicht anlegen, damit man nicht weiter als 500 Meter laufen muss.
Wenn man erst mit dem Auto zu einem Haltepunkt hinfahren müsste, ist das System nutzlos.
Auch kleinere Ortschaften müssten angeschlossen werden – sagen wir mal so Dörfer ab 50 Personen.
Das Leben auf dem Lande wäre dann auch nicht mehr ganz so stark auf individuellen Verkehr angewiesen.
Man könnte problemlos auf dem lande leben und in der Stadt arbeiten.
Das könnte auch der Verstädterung entgegenwirken.

Bezahlung

Am besten wäre ein drahtloses Bezahlsystem, bei dem man keine Tarife beachten und keine Tickets lösen muss.
Man könnte ganz einfach und automatisch per Chipkarte bezahlen.
Als Bemessungsgrundlage dient dann lediglich die Entfernung Luftlinie zum Ziel pro Person – zudem könnte man für mehr Geschwindigkeit mehr bezahlen, quasi für die Überholspur.
Völlig wurscht von wo nach wo. Jede Person zahlt immer nur nach Entfernung Luftlinie.
Wenn jemand einsteigt, der über keine Chipkarte verfügt, dann dürfte die Kapsel nicht losfahren.
Auf die Weise bräuchte man keine Kontrolleure mehr.

Tunnelsystem

Dieses Tunnelsystem hätte den Vorteil, dass es oberirdisch keinen Platz wegnimmt.
Lediglich die Haltestellen müssten an einer freien Fläche aufgestellt werden.
Am besten läge das Röhrensystem unterhalb aller Kanalisationen.
In einer Tiefe von 20-50 Metern dürfte auch der Temperaturunterschied übers Jahr gesehen minimal sein.
Zugefrorene Gleisweichen gäbe es nicht.
Man müsste dann immer mindestens 3 Röhren graben.
Jeweils eine für den Hin- und Rückverkehr – und einen begehbaren Flucht-
und Versorgungstunnel.
in diesem könnte man die Lüftungstechnik unterbringen.
Zudem könnte man diese zentralen Tunnel für weitere Zwecke nutzen.
Da das Netz überall hinführt und weit verzweigt ist, könnte man hier direkt Stromversorgung, Gasversorgung, Trinkwasser und Glasfaserkabel verlegen.
Trinkwasserversorgung fände ich sehr interessant, da man selbst in Deutschland in absehbarer zeit eine verstärkte Wasserknappheit haben dürfte.
Man könnte dann von jedem Punkt an jeden Punkt Trinkwasser leiten – je nachdem, wo gerade Überschuss und Mangel herrschen.
Stromversorgung unterirdisch hätte den gleichen Vorteil.
und über ein schnelles Internet mittels Glasfaser ins Haus dürfte sich auch niemand beschweren.
Vorteil ist ganz klar: man kommt jederzeit problemlos an die Systeme heran und kann sie einfach warten oder austauschen – oder auch zusätzliche verlegen.
Man muss nicht ständig wieder Straßen aufbuddeln.
Ein netter Nebeneffekt dieses Tunnelsystems: man könnte darin noch überleben, wenn sich oberirdisch Katastrophen anbahnen.
Bspw. Vulkanausbrüche, Überschwemmungen, Waldbrände, …

Probleme
Die Planung dieses Systems dürfte wahrscheinlich sehr lange dauern und einen dicken Batzen Geld kosten.
Schließlich muss man die Biegeradien des Netzes beachten, oberirdische Begebenheiten auch und möglichst viele Menschen einbeziehen.

Geologisch betrachtet wäre dies auch eine gigantische Herausforderung.
Immerhin muss man sich durch hunderttausende von Kilometern Gestein durcharbeiten.
Man hat das Problem des Grundwassers.
Dazu noch seismische Probleme.
Und eben hier wird klar: es ist utopisch. Nicht unmöglich, aber mit heutiger Technik kaum umsetzbar.
Wenn man bedenkt, dass man 10-20 oder noch mehr Jahre braucht, um nur 50 Kilometer durch einen Berg zu graben – siehe diverse Tunnelprojekte in der Schweiz oder der Eurotunnel.
Man müsste eine Technik erfinden, mittels derer man durch Gestein schneiden kann, wie durch Butter.
Man müsste mehrere hundert Meter pro Tag schaffen – wenn nicht noch mehr.
Man bräuchte so etwas wie einen Tunnelbohrer mit Plasmabrenner.
Das Gestein müsste direkt verdampft werden und an der Maschine entlang geführt werden, um hinten wieder zu kondensieren.
Für Menschen keine akzeptablen Temperaturen.
Und auch Maschinen könnten diese extrem heißen Gase nur mittels extrem starker Magnetfeldern ableiten.
Zudem müssten die  angelegten Röhren,welche idealerweise vollautomatisch angelegt werden, absolut wasserdicht sein.
Sonst bräuchte man eine unfassbar große Zahl an Pumpen, welche ständig bis ans Ende aller Tage das Grundwasser aus den Tunneln pumpen. Das wäre allein schon viel zu wartungsintensiv.
Außerdem müssten die Röhren auch schweren Erdbeben widerstehen können.
Zugegeben: in Europa eher selten, aber trotzdem …
Das Wandmaterial müsste also sowohl äußerst dehnbar, als auch sehr, sehr lange haltbar, als auch absolut dicht sein.
Und solch ein Material ist mir nicht geläufig.

Bei den Kapseln wären natürlich mehrere Probleme gegeben.
Zum einen Vandalismus. Man kann noch so viele Kameras hinhängen – es wird immer alles demoliert werden.
Wartungs- und Reinigungspersonal wird man also sehr viel benötigen.
Problematisch ist auch: man kann schwer vorher berechnen, wieviele Menschen gerade wohin wollen.
Man muss also ausreichend Kapseln in über das Land verstreuten Depots auf Abruf halten.
Wenn viele gleichzeitig an einen Punkt wollen, dann kommt es zu längeren Wartezeiten.
Daher muss man an vielfrequentierten Stellen mehrere Haltestellen anbringen.

Bei den Haltestellen muss man natürlich sicherstellen, dass kein Oberflächenwasser eindringen kann.
Im Falle einer Überschwemmung bspw. müsste man die senkrechten Aufzugschächte daher wasserdicht versiegeln können, sonst würden die Tunnel sofort voll laufen.
Man könnte in ständigen Überschwämmungsgebieten direkt die Haltestellen so konzipieren, dass sie mehrere Meter aus dem Boden ragen.
Mag nicht schön aussehen, hält einem aber das Wasser vom Hals.
Ansonsten könnte man die Haltestellen etwas erhöht anbringen und mittels Rampe mit leichtem Gefälle begehbar einrichten.

Ein weitere sehr großes Problem: dieses System würde sehr viele Arbeitsplätze überflüssig machen. LKW-Fahrer, die meisten Taxifahrer, interkontinentale Piloten, Zugführer, und weitere, würden dann größtenteils nicht mehr benötigt.

Und zum Schluss natürlich wie immer das größte Problem: das liebe Geld. Solch ein System dürfte mehr kosten als 2,50€. Solche Summen könnten im jetzigen Wirtschafts- und Finanzsystem weder Konzerne noch Staaten zusammen, geschweige denn alleine bezahlen.

Verbreitung

Um wirklich effizient arbeiten und möglichst viele der derzeitig problematischen Verkehrssysteme größtenteils ersetzen zu können, müsste man das Tunnelsystem großflächig etablieren.
Das bedeutet: von Gibraltar bis zum Nordkapp, von der Normandie bis zum Schwarzen Meer.
Oder anders ausgedrückt: ganz Europa.
Besser wäre noch, wenn man alles, was als Landmasse irgendwie zusammenhängt, damit auszurüsten.
Also einmal quer von Spanien nach Korea.
Und einmal von Helsinki nach Kapstadt.
Das könnte man alles miteinander verbinden.
Auch die Meerenge von Gibraltar sollte kein Hindernis darstellen.
In 50 Metern Tiefe verläuft glaube ich bereits dichter Felsen.

Letztlich steht dem nur eines entgegen: die Politik.
Und auch hier merkt man wieder, dass es sich um reine Utopie handelt.
Ein derartiges Netz könnte man als Diktator einfach für seine Zwecke missbrauchen oder Attentäter könnte die Tunnel sprengen.
Das funktionierte also nur in politisch ansatzweise stabilen Gegenden.
Aber es würde ja schon reichen, wenn man das europaweit etablieren könnte.

Was das System nicht kann

Dieses unterirdische Sammeltaxi kann natürlich nicht alles ersetzen.
Man kommt damit nicht von Paris nach New York.
Man kann damit auch kaum seinen Umzug gestalten.
Landmaschinen kann es auch nicht ersetzen.
Also alles was lokal notwendig ist, wird auch weiterhin notwendig bleiben.
Für Kurzstreckentransporte wird man weiterhin Kleintransporter oder LKW brauchen.
Dann Polizeiwagen, Rettungsfahrzeuge, Feuerwehrfahrzeuge, die bereits erwähnten Landmaschinen, Helikopter, etc.
Lediglich den Großteil des nicht-lokalen Verkehrsaufkommens könnte man damit bewältigen.
Aber damit hätte man bereits den überwiegenden Großteil abgedeckt. Ich vermute mal man könnte somit 90-95% des (intrakontinentalen) Verkehrsaufkommens von oben unter die Erde verlegen.
Und mal eben von Hamburg nach München, oder gar von Berlin nach Barcelona wäre kein Problem.
Man geht zur nächsten Station, tippt das Wunschziel ein und nach ein paar Minuten kommt die Kapsel, man setzt sich rein und macht es sich gemütlich.
Man muss sich um nichts kümmern und kommt ausgeruht am Ziel an.

Ich weiß das klingt für die meisten jetzt völlig utopisch und der ein oder andere mag mich jetzt für bescheuert halten.
Es ist auch utopisch! Und bescheuert mag ich durchaus sein.
Aber man wird ja nochmal ein bisschen rumspinnen dürfen. 😉

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Ein Kommentar zu “Mein Verkehrskonzept der Zukunft – Achtung! Utopie!

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