Szenen einer Ehe und „Abends halb neun im Rewe“

Folgende Szene:
Es ist etwa 20:30 Uhr in einem recht kleinen Rewe irgendwo auf dem Lande.
Eine junge Kassiererin (so um die 18) hat die Abendschicht. Es ist nichts los.
Ich kaufe  – weil es bei Rewe nicht so waaaaahnsinnig viele vegane Produkte gibt – Gemüsestäbchen von Iglo.
Sie fragt „sind die lecker?“. Ich antworte „Ich esse die sehr gerne, die sind auch rein pflanzlich“.
Sie fragt „sind Sie Vegetarier?“. Ich antworte „fast, ich bin Veganer“.
(Anmerkung für mich selbst: vielleicht sollte ich künftig diesen Teil weglassen, wenn ich keine Lust auf Abscheu und/oder Diksussion habe)
Und dann folgte eine sehr kurze, aber prägnante Frage, die mit inbrünstigem (!) Entsetzen vorgetragen wurde:
„WIESO !?!?“.
Fast als ob ich grad ein Kind vor ihren Augen geschlachtet und gegessen hätte. Oder etwas  ähnliches in dieser Kategorie.
Dann das übliche. Sie esse ja auch wenig Fleisch, aber es schmecke ihr so gut.
Ich erwidere, dass vielleicht Geschmack allein kein wirklich gutes Argument sei und das ich solche (naja, vielleicht nicht exakt solche) Kommentare gewohnt sei.
Daraufhin sie: sie könne ja auch ein Mozzarella-Brot essen – auch des Geschmackes wegen.
Oder eben ein schönes Stück Fleisch. Das sei ja alles dasselbe.
Ich war dann aber doch ob des extremen Entsetzens ein wenig verblüfft.
Aber mit dem Gefriergut im Gepäck hatte ich auch keine Lust da jetzt ne Stunde über Ethik und Ökologie zu referrieren, was alles in Fleisch, Fisch, Milch, Ei, … drin ist, dass das gar nicht notwenig ist, in größeren Mengen zudem ungesund, schlecht umweltverträglich, …
Ihr wisst, worauf ich hinaus will.
Dann ruft sie mir noch nach „ist aber nicht böse gemeint …“.
No comment. Absolutely no comment!

Schön war übrigens auch auf einem Richtfest vorher ein Ehepaar im besten Alter.
Wir kamen ins Gespräch und ich fand, es war eine sympathische, lockere Unterhaltung.
Er Chemiker und Informatiklehrer. Und Vegetarier – auch wenn er sich nicht an (Vegetarier-)Definitionen orientiere.
Die Stimmung änderte sich schlagartig, als es Richtung Essen ging.
Man konnte bei Ihr ein gewisses Entsetzen erkennen, als das Thema auf meine Ernährungsgewohnheiten fiel.
Bei Ihm hingegen keine Spur davon.
Und dann kam eine weitere Frage aus dem allseits beliebten Top-10-Ranking: „was kann man denn dann überhaupt noch essen?!“.
*Augen roll*
(Weitere Anmerkung für mich selbst: unbedingt mal eine Liste mit Vorurteilen erstellen!)
Schön fand ich dann auch etwas später einen leisen Kommentar ihrerseits – der mir von jemand anderem erzählt wurde – sie habe ihm häufiger mal Fleisch unter das Essen gemischt.
Da muss ich mich wieder eines genaueren Kommentares enthalten.
Nur soviel: es ist immer schön, wenn in einer Beziehung die Ansichten beider Partner vom jeweils anderen akzeptiert werden.😉
Ich möchte es für meine Person mal wie folgt ausdrücken: würde mir ein Freund/eine Freundin oder gar eine Lebensabschnittsgefährtin wissentlich und mit Vorsatz Fleisch unterjubeln – oder sonstwas – …
Ich fände das gelinde gesagt wenig witzig.
Danach wäre die Art jener Beziehung nochmals genauer zu überdenken!