Wegwerfgesellschaft óle, óle!

Als Kunde ist man ja auf Gedeih und Verderb dem Anbieter ausgeliefert.
Ich möchte das mal am Beispiel Computer verdeutlichen.
Alle paar Tage kommt eine Meldung auf irgendeiner Website, dass ein angeblich revolutionäres oder auch nur neues Produkt auf den Markt gekommen ist.
Sehr häufig ist das aber gar nichts neues, sondern da wurde vielleicht ein bisschen an einem Chip rumgewurschtelt und er läuft jetzt mit 5 MHz mehr.
Wirkliche Neuerungen kann man an einer Hand abzählen.
Neue Grafikkarten haben nicht etwa die doppelte oder gar dreifache Leistung, bei halbem Verbrauch.
Mit Nichten!
Meistens sind sie so 10-30% schneller – bei gestiegener Gesamtleistungsaufnahme.
Die kosten dann ein Heiden Geld und es wird suggeriert, dass man die Neue unbedingt benötigt und die alte am besten wegwerfen kann.
Aber selbst wenn man sich diesem Trend entgegen zu stellen versucht, es wird nicht klappen.
Denn neue Spiele laufen bereits auf der letzten Generation Grafikkarten nur noch unzufriedenstellend.
Man ist also stets gezwungen relativ neue und potente Hardware zu erwerben.
Oder man kann sie nicht nutzen ….
Optimiert wird dabei wenig bis nichts.
Bei den CPUs gibt es jetzt gerade Prozessoren mit 6 Kernen, demnächst 8, 12, 16 und sogar 20 Kernen.
Vielfach werden heute nicht einmal 4 Kerne unterstützt.
Es gibt sogar noch Programme, welche nicht einmal Dual-Prozessoren unterstützen.
Auch 64bit hat sich noch lange nicht flächendeckend etabliert.
Auf dieser Basis ist es dann auch kein Wunder, dass Hardware und Software immer miserabler wird.
Man hat gar keine Zeit mehr etwas weiter zu entwickeln und zu optimieren.
Man ist zur Gänze damit beschäftigt die nächste Generation auf den Markt zu bringen.
Diese Bananenware reift dann mühsam beim Kunden.
Und wenn er damit nicht zufrieden ist, weil die Hardware oder Software nicht vernünftig funktioniert, dann kann er sich ja gleich die neuste Version zulegen.
Eine wirkliche Alternative hat er nicht, weil es keine nennenswerte Menge an Anbietern mit Top-Qualität gibt.
Überall der gleiche Mist!
Repariert wird auch nichts mehr.
Es ist einfach billiger, alte Hardware wegzuwerfen und neue zu kaufen, als die alte zu reparieren.
Meistens sind nur günstige Klein- oder Verschleißteile am Ende ihrer Lebensdauer angelangt, was dann das gesamte Gerät funktionsuntüchtig macht.
Und seltsamerweise sterben viele Geräte auch gerade kurz außerhalb der Gewährleistungszeit.
Kurzum: Qualität gibt es fast nicht mehr.
Immer schneller, und noch schneller muss etwas auf den Markt geworfen werden.
Die Entwicklungszeit von so ziemlich allem sinkt fast exponentiell.
Anders lassen sich auch diverse Rückrufaktionen gar nicht erklären.
Die Werbung tut ihr Bestes um diesen Trend noch zu verstärken.
Man sollte einmal kurz darüber nachdenken, was Werbung/Marketing eigentlich bezweckt.
Es geht ja nicht darum Bedürfnisse zu befriedigen.
Für alles, was man ohnehin benötigt, also für sämtliche Grundbedürfnisse, muss keine Werbung gemacht werden.
Höchstens um ein schlechtes Image eines Produktes, einer Ressource oder einer Dienstleistung zu verbessern.
Es geht darum neue Bedürfnisse, von denen man nicht einmal wusste, dass es sie überhaupt gibt, zu schaffen und danach zu befriedigen.
Ich hatte neulich einen Werbespot zu einem „neuen“ PKW gesehen. Die Marke weiß ich gar nicht mehr.
Den Spot fand ich besonders dreist.
Dort wurde noch nicht einmal dem „alten Pfad“ gefolgt und behauptet „du brauchst das!“ – nein!
Es wurde direkt unumwunden zugegeben, dass man es gar nicht braucht.
Man wollte nur noch vermitteln, dass man es haben muss.
Und so war dann auch der Ausspruch sinngemäß „nicht, weil ich es brauche – ich will es einfach haben“.
Den Werbetreibenden scheint wohl auch nichts mehr einzufallen.
Die Wirtschaft profitiert davon natürlich ungemein.
Schließlich generieren exponentiell steigende Absätze auch ähnlich exponentiell steigende Umsätze und demzufolge auch Renditen.
Und so werden immer noch schneller „neue“ Generationen an Krams, den man – bei Lichte betrachtet – eigentlich kaum wirklich braucht, auf den Markt geworfen.
Vom Marketing wird per Medien-Propaganda suggeriert, dass man das neue braucht und das alte wegwerfen soll.
Der Müll ist dann auch zum Verrecken nicht recycelbar, enthält Gifte ohne Ende, wird nach China, Indien, Ghana oder wohin auch immer verschifft. Die Leute verbrennen dann den Giftmüll, um an die Edelmetalle zu kommen.
Von denen gibt es nicht unbegrenzt, so dass sich dies für die Firmen lohnt. Der Arbeiter bekommt einen Hungerlohn und wird keines natürlichen Todes sterben.
Diese Situation kann natürlich nicht mehr allzu lange so fortgeführt werden.
Exponentielles Wachstum kann es nicht geben.
Schließlich gibt es immer irgendwo eine Limitierung.
Sei es beim Einkommen der potentiellen Käufer oder auch schlichtweg der Menge der notwendigen Ressourcen.
Bis das System aber kollabieren wird und ein Umdenken einsetzt, wird das Problem aber völlig neue Dimensionen angenommen haben.
Stichwort: Umweltzerstörung.
Daher möchte ich den Vorschlag machen, jetzt wo es noch geht, das Ruder rumzureißen.
Ich hätte da ein paar – vor allem für den Gesetzgeber – sehr einfache Ideen.
Zugegeben: die sind nicht neu. Aber passiert ist immer noch nix. Wahrscheinlich aus dem Grunde, weil man seit langem quasi selbst darüber entscheiden kann, wohin es geht. Stichwort: Wirtschaftslobbyismus.
Ein Vorschlag wäre: die Lebenszeit an Geräten hochzusetzen – einfach per Gewährleistungsanspruch.
Ein Anbieter ist verpflichtet auf sein Gerät 5 Jahre (oder lieber noch mehr) Gewährleistung zu geben. Und zwar ohne Umkehr der Beweislast nach 6 Monaten.
Was dieser Unfug mit der Beweislastumkehr soll, weiß wohl auch nur ein Jurist in seiner kleinen, abstrusen Parallelwelt.
Wie soll ich als Kunde beweisen, dass das Gerät nicht schon von vornherein einen Schaden hatte?
Mal ernsthaft Freunde! Ist doch ein schlechter Witz!
Dann müssen Geräte wieder günstig repariert werden können. Meistens ist es eben nur billiger Kleinkram, welcher defekt ist und dann das Gerät unbrauchbar macht.
Dann müssen die Hersteller das Gerät ohne Wenn und Aber zurücknehmen – und vor Ort recyceln.
Und wenn ich recyceln sage, meine ich nicht 5% wieder verwerten und den Rest wegwerfen.
Da muss man sich bereits beim Design des Gerätes Gedanken darüber machen, wie man dies am einfachsten hält, damit es einfach und möglichst vollständig wieder verwertet werden kann.
Interessant fände ich auch einen modularen Aufbau von Geräten.
Zum einen kann man so defekte Teile einfacher tauschen, zum anderen kann man so auch neue Eigenschaften einfach nachrüsten.
Zudem sollte man auch direkt auf dem Reißbrett den Energie- und Wasserverbrauch bei der Herstellung und dem späteren Betrieb minimieren.
Dazu bedarf es natürlich wieder längerer Entwicklungszeiten.
Optimierung ist hier das Stichwort.
Ich wage bspw. gar nicht zu ermessen, wieviel Leistung man noch aus „alten“ PCs raus holen könnte, wenn man nur die Software optimieren würde.
Zudem sollten giftige Stoffe überhaupt nicht mehr enthalten sein – egal worin.
Ich spiele da auf Blei, Cadmium, Quecksilber und Co. an.
Es müsste eine staatliche Stelle geben, welche alle neuen Produkte testet – die Kosten dafür muss der Anbieter tragen.
Diese Anbieter werden sich dann sehr genau überlegen, ob sie wirklich halbfertigen, potentiell gefährlichen Müll auf den Markt werfen wollen.
Es ist einfach nicht einzusehen, dass so derart viele Produkte auf den Markt kommen, welche keine Sau auch nur ansatzweise unabhängig getestet hat.
Es kann ja jeder nach Lust und Laune ein „CE“-Zeichen draufpappen und dann sagen „ist doch alles wunderbar“.
Getreu dem Motto: Traue keiner Studie/keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.
Das System kann man übrigens auch gerne auf Alles ausdehnen.
Auch auf Lebensmittel, Pharmazeutika, Elektrogeräte, Kleidung, Möbel, … eben auf alles. Gerne auch mit Positivlisten für Inhaltsstoffe/Zutaten.
Kostet natürlich einen riesigen Batzen Geld, das ist klar. Aber ich für meinen Teil möchte gerne meine zu nutzenden Produkte einmal vorher unabhängig getestet haben.
Der Hersteller wäre natürlich so auch bemüht die potentiell gefährlichen Substanzen direkt vorher komplett auszuschließen.
Und man darf auch nicht vergessen, wie viele neue Chemikalien jedes Jahr neu auf den Markt kommen – ebenso wie neue Medikamente – welche nie vernünftig getestet wurden.
Spätschäden sind da gar nicht absehbar.
Natürlich hätte das Ganze auch einen gravierenden Nachteil, der den meisten Leuten nicht gefallen dürfte: die Waren werden so drastisch teurer.
Letztlich macht das aber nichts, weil man die – dann tatsächlich wirklich mal funktionierende Ware – auch lange, ohne größere Probleme, nutzen könnte.
Vielleicht erkennt man dann auch wieder ein wenig den Wert einer Sache.
Dann gibt es eben keinen TFT-Monitor mehr für 99€ – sonder für 699€.
Dafür hält der länger, er verbraucht weniger und man hat keine großen Probleme damit.
Hier möchte ich auch gerne einen Spruch tätigen, den meine Oma schon gerne nutze „wer billig kauft, kauft meistens zweimal“.
Dummerweise kann man aber robuste Produkte guter Qualität mittlerweile mit der Lupe suchen.
So kann es doch nicht weitergehen, Freunde!

One thought on “Wegwerfgesellschaft óle, óle!

  1. Danke, da sprichst Du mir absolut aus der Seele. Als ich mit Computer in Kontakt kam, Anfang der 1980er Jahre, war es wirklich noch so, dass Softwareentwickler das Letzte bisschen an Leistung aus den Geräten kitzelten und ihre Programme extrem optimierten. Im Laufe der Jahre nahmen dann die „Innovations“zyklen bei der Hardware zu, man musste sich immer öfter einen immer schnelleren Rechern kaufen, und die Programmierer hörten auf, zu optimieren, sondern schauten bestenfalls auf „Cross-Plattform-Kompatibilität“, also auf das möglichst schnelle und einfache Übertragen von einem System zum nächsten. Wenn ich sehe, dass sowas wie MS Office heute viel hundert MB groß ist, muss ich schon lachen. Irgendwann habe ich auch mal einen Artikel gelesen, dass Software- und Hardwareentwickler sich bei ihren Produktzykeln absprechen, also Software absichtlich klobig und anspruchsvoll programmiert wird, um den Neukauf von schnellerer Hardware anzuregen. Total behämmert.
    Ich habe mir bisher durchschnittlich alle 6-8 Jahre einen neuen Rechner gekauft, also viele „Quantensprünge“ dazwischen ausgelassen.
    Ansonsten finde ich Deine Anregungen, von gesetzlicher Seite dafür zu sorgen, dass längere Lebenszyklen etc. vorgeschrieben werden, super – aber in unserer Lobbykratie , in der Arbeitsplätze zudem das Wichtigste sind (egal ob wir alle daran verrecken), wohl kaum umsetzbar. Leider.

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