Wissen manche Ernährungswissenschaftler nicht, was vegan bedeutet?

Eben nach dem einkaufen traf ich auf einen Freund und Kollegen.
Neben ihm eine Bekannte die anscheinend irgendetwas mit Ernährungswissenschaften zu tun hat.
Evtl. Ökotrophologin  – ich weiß es nicht genau.
Irgendwie kam dann die Sprache auf meine Ernährungsweise.
Ich sagte ich ernähre mich (und lebe überwiegend) vegan.
Etwas später dann ihrerseits der Satz „aber Eier und Milch doch, oder?“
Da wurde ich schon stutzig.
Ist sie sich bewusst, was vegane Ernährung bedeutet?
Offenkundig nicht – sonst käme nicht diese Nachfrage.
Dann kam irgendwie die Sprache darauf, ob das denn auch für alle Lebenslagen machbar sei.
Darauf dann von ihr die Meinung, dass das bei Erwachsenen möglich sei, aber keinesfalls bei Kindern.
Es gebe da Probleme mit der Eiweißversorgung und tierische Eiweiße seien absolut notwendig.
Nebenbei bemerkt: wenn wir etwas in Deutschland NICHT haben, dann ist es eine Eiweißunterversorgung. 😉
Da musste ich mir innerlich an den Kopf fassen.
Wenn schon Ernährungswissenschaftler, die es ja eigentlich besser wissen sollten, immer noch die gleichen abgedroschenen Thesen verbreiten …
Aber verübeln kann ich es ihr nicht.
Das entspricht – auch heute noch – der gängigen Lehrmeinung.
Auch heute noch wird gelehrt: vegan = Mangel und Verzicht. Vegan = unnatürlich und beinahe krankhaft. Oder das Thema fällt völlig unter den Tisch.
Vegane Eltern sind böse Menschen und Kinderquäler und vegan ernährte Kinder sind Objekte des Mitleids und aus denen wird bestimmt nichts – außer vielleicht ein Pflegefall.
Das tut schon weh, wenn man sieht, dass eigentlich gebildete Menschen, Wissenschaftler so etwas immer wiederkäuen.
Eigentlich sollte man als Wissenschaftler doch vorurteilsfrei an eine Situation herangehen, diese analysieren, die Ergebnisse auswerten und dann objektive Schlüsse ziehen.
Es gibt mittlerweile einige Studien, die zum Schluss kommen, dass eine  ausgewogene und gut geplante vegane Ernährung in allen Lebenslagen durchführbar ist.
Natürlich darf man (als werdender/gewordener Veganer) nicht den Fehler machen und glauben, man könne so weitermachen, wie bisher und sich nur von Pommes mit Ketchup ernähren.
Das sollte klar sein.
Man muss sich schon damit befassen, welche Probleme es geben kann, welche Inhaltsstoffe worin enthalten sind und wie der Körper diese aufnimmt und allgemein welche Stoffe der Körper benötigt.
Also eine gewisse Wissenbasis ist vorauszusetzen.
Sollte es eine Mangelerscheinung geben, entweder aufgrund von unausgewogener Ernährung oder einer körperlichen Disfunktion (Zöliakie, Allergien, Unverträglichkeiten) dann muss man sich dieses Problems annehmen, das mit einem Arzt besprechen und entsprechend sublimieren.
Das geht alles – man muss nur wollen.
Aber ich glaube da liegt das Problem.
Man will nicht.
Man hängt an lieb gewonnenen Traditionen, am Luxus – und WILL nichts ändern.

Man will nicht einmal zur Kenntnis nehmen, das es auch anders geht. Schließlich würde es die eigene Position schwächen.
Also versucht man natürlich abzublocken, wenn jemand etwas äußert, was nicht zur eigenen Sicht der Dinge passt.
Man versucht natürlich die gegenteilige Position zu diskreditieren und versucht in einer noch so klaren Suppe ein Haar zu finden.
Das erklärt vielleicht – nebenbei bemerkt – auch so in sich „seltsame“ Fragen/Aussagen, wie „wenn du beim Radfahren eine Fliege verschluckst, bist du doch auch Fleischfresser“.
Man versucht seinen Gegenüber Lügen zu strafen und seine eigene Position hervorzuheben.
Absolut nachvollziehbar.
Getreu dem Motto „es kann nicht sein, was nicht sein darf“.
Das ist menschlich.
Ich würde es auf einem anderen Sachgebiet vielleicht ebenso machen.

Dennoch: wenn man vorurteilsfrei und sachlich an die Ernährungsfrage heranginge, dann würde man zu Schluss kommen:

Ja, das geht, man kann sich ohne große Probleme vegan ernähren.

Man ist ja noch lange nicht gezwungen das auch zu machen.

Aber man sollte doch bitte zur Kenntnis nehmen, dass es Menschen gibt, die das so gut finden – und das es funktioniert.

Mehr verlange ich doch garnicht.

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