Eine Bahnfahrt, die ist lustig …

Vorhin ist mir was seltsames passiert.
Auf der Fahrt von Paderborn nach Göttingen stieg ein Aserbaidschaner zu.
Er war ganz hibbelig und wollte immer wissen, wann er denn aussteigen könne und ob wir endlich in Göttingen wären.
Er sprach kein Englisch und nur wenige (sehr wenige) Brocken Deutsch.
Nachdem ich ihn erstmal beruhigt hatte, dass bis Göttingen noch eine Menge Zeit wäre,
setzte er sich zu mir und wir kamen ein wenig ins „Gespräch“.
Da ich aber kein Türkisch und er nur unzulänglich deutsch und 0 englisch konnte, war es schwierig, ihm zu folgen.
Was ich aus der Konversation erfahren habe, war dementsprechend auch nicht wahnsinnig viel.
Er kommt aus dem Aserbaidschan.
Er hatte dort Mathematik und Informatik gelehrt, sei jetzt aber wohl pensioniert – obschon noch gar nicht so alt … 35-40 wenn ich schätzen müsste.
Dort bekäme er wohl einen Job – aber dafür nur 40€ im Monat und das würde nicht zum Leben reichen – nur für 6-7 Stangen Zigaretten.
Er kam dann nach Deutschland in der Hoffnung auf einen Job.
Als Asylbewerber darf er ja nicht arbeiten und bekam wohl auch nur wenig Geld vom Amt.
Ein Deutschkurs hätte 200€ gekostet und das konnte er sich nicht leisten.
So habe ich das zumindest verstanden.
Seit mittlerweile zwei Jahren würde er hier leben.
Jetzt wollte er mit dem Zug nach Zürich.
Anscheinend um dort einen Asylantrag zu stellen.
Wohl in der Hoffnung, dass es ihm dort besser ginge, als in Deutschland.
Seinen Pass hat er anscheinend zuhause gelassen – wohl um nicht direkt abgeschoben zu werden.
Wie genau das läuft … ich kenn mich da nicht aus.
Er hatte ein gültiges Ticket von Hamburg nach Bayreuth.
Was er dann im Zug von Paderborn über Ottbergen nach Göttingen wollte, hab ich nicht verstanden.
Dann kam er noch mit Stalin und Hitler an und das da immer Krieg gewesen wäre.
Naja …
Später hat er noch erzählt, wie Russland dem Aserbaidschan das Öl klaut und sich über die schlechte deutsche Asylpolitik beschwert.
Ich fühlte mich aber nicht in der Lage dem gutem Mann in wenigen, verständlichen Worten die Asylpolitik der BRD zu erklären – zumindest nicht so, dass er nicht sauer auf mich ist.😉
Zum Schluss hab ich ihn dann zum Service Point begleitet und den Bahn-Mitarbeiter gebeten, ihm einen Fahrplan nach Zürich auszudrucken.
Er gab ihm dann für das noch gültige Ticket nach Bayreuth einen Fahrplan.
Da wird er dann erst morgen früh ankommen, weil er in Saalfeld (?) – also irgendwo auf dem Weg nach Bayreuth – übernachten muss.
Wie er dann von dort nach Zürich kommen will … ich weiß es nicht …
Zumal das auch fast 500km sind und er wohl auch kein Geld mehr hatte …
Er bedankte sich bei mir, gab mir die Hand, nahm seine zwei Tragetaschen und ging.
Und ich bin dann weiter nach Hause.