Und nochmal Sarrazin – diesmal bei Beckmann

Eben habe ich mir die Sendung beckmann in der ARD Mediathek angesehen.

Bereits im Vorfeld war allein schon aus der Wahl der Gäste abzuleiten, wo das Ganze hinlaufen soll.

Ich möchte es mal geplante öffentliche Hinrichtung mit Vorankündigung nennen.

Es gab das typisch politische Geblubber.

Zugegeben: Thilo Sarrazin kam etwas unbeholfen rüber – im Gegensatz zu den in „politischen Diskussionen“ versierten Politikern, Scholz, Özkan, Künast.

Das sollte aber auch nicht verblüffen.

Immerhin schickt man seitens der Parteien nur rhetorisch bewanderte Abgeordnete dort hin, eben solche, die das Spiel „Diskussionsrunde“ beherrschen.

Und Grundregel Nummer 1 in solchen Diskussionsrunden lautet: lasse den Gegner niemals ausreden, falle ihm möglichst häufig ins Wort, werde laut und gerne auch polemisch und emotional.

Und ich muss sagen: meine Parteikollegin Frau Künast beherrscht diese Regel exzellent.

Leider wurde aus einer meinerseits erhofften sachlichen Diskussion nichts.

Ich weiß auch nicht, warum ich mir eingebildet habe, dass es mal anders laufen sollte, als sonst. Generell ist der sachliche Gehalt dererlei Talkrunden leider auch im öffentlich rechtlichen Fernsehen sehr mager.

In der Sache wurde leider wenig geredet. Daten und Fakten gab es zum Großteil nur von Herrn Sarrazin.

Teils haben seine Gegenspieler auch ein paar Zahlen genannt, vor allem die per Schaltung beteiligte „Wissenschaftlerin“ – und natürlich um das Bild des gut integrierten Migranten zu fördern – eine Junge Dame mit Migrationshintergrund und akademischer Bildung.

Der Witz beim Nennen der Zahlen ist aber: diese haben  Thilo Sarrazins Thesen nicht widerlegt.

Zunächst mal stutzig gemacht hat mich das „nach eigenen Angaben“. Ich kann auch jedem erzählen, dass ich 10 Millionen auf dem Konto habe. Das ist aber keine wissenschaftliche Grundlage.

Und auch wenn nach ihren Erkenntnissen rund 80% selbst erwerbstätig sein sollen. Das schließt ja die Inanspruchnahme von staatlichen Transfairleistungen nicht aus.

Nun, wir wissen ja alle, dass man mit Zahlen immer „lügen“ kann.

Man kann jede Statistik so hinbiegen, wie man will. Notfalls gibt man einfach eine eigene Studie in Auftrag, die dann erstaunlicherweise genau zu dem Ergebnis passt, was man haben möchte.

Aber wie gesagt, mit Zahlen wurde auch gar nicht groß hantiert – zumindest von Sarrazins Widersacher.

Die Ganze – nennen wir es spaßeshalber – Debatte  war mir viel zu emotional.

Ranga  Yogeshwar hat sich mehrmals empört, dass so etwas noch 200 Jahre nach Darwin möglich ist.

Von Fakten oder ähnlichem auch hier keine Spur. Es wurde sich auch für meinen Geschmack viel zu sehr an der Thematik „Gene“ ergözt und empört. man darf nicht vergessen: Herr Sarrazin ist kein Genetiker – er nennt nur Zahlen und Fakten einer diesbezüglichen Studie. Ob diese Daten nun stimmen oder nicht, werden andere Wissenschaftler überprüfen. Aber Herrn Sarrazin anzukreiden, dass diese Studie Unsinn ist, ist irgendwie sinnfrei.

Sich nur empören und dem Gegenüber etwas vorwerfen reicht eben nicht.

Im wissenschaftlichen Rahmen gibt es das Prinzip der Falsifizierung: jemand kommt zu einem Ergebnis und stellt eine These auf. Und andere versuchen nun mit wissenschaftlichen Methoden diese These zu widerlegen.

Auch hiervon keine Spur.

Besonders witzig fand ich das „Argument“ von Frau Özkan, dass die Situation in ihrer Nachbarschaft ganz anders sei.

Interessant. In ihrer Nachbarschaft ist es also anders – und das ist jetzt der repräsentative Durchschnitt?

Solche Aussagen kann man eben nur treffen, wenn man Zahlen und Fakten für eine ausreichend große Gruppe erfasst hat.

Man kann in einer solchen Diskussion nur mit Zahlen und Fakten kommen.

Der im Studio anwesende Streetworker hat ein nach eigenen Angaben anders Bild „auf der Strasse“ erfahren.

Aber auch das ist eben nur seine Sicht der Dinge und keinesfalls repräsentativ.

Besonders dreist fand ich dann die Thematik, was denn Herr Sarrazin mit den Erlösen  seines Buches zu tun gedenkt.

Ich bin ja der Meinung: was ich mit meinem Geld mache, ist immernoch meine Sache.

Wieso sollte ich gezwungen sein das zu spenden?

Das war ja wirklich bitterste Polemik.

Noch kurz ansprechen möchte ich den hohen Zuspruch in der Bevölkerung.

Herr beckmann selbst sagt, dass in den hereinkommen E-Mail rund 70% zustimmende Haltung gegenüber (einigen) Thesen des Herrn Sarrazin besitzen.

Nun ist dies auch wieder nicht repräsentativ. Dennoch fällt auch in anderem Zusammenhang (Blogeinträge, Leserbriefe, Umfragen, …) auf, dass ein Großteil zumindest einige Thesen teilen kann.

Daher die Frage: sind das jetzt alles Dummköpfe? Sind das alles Nazis? Sind das alles Rassisten?

Man könnte sich doch mal Fragen, wo der Zuspruch herkommt, wie er zustande kommen kann.

Das können jetzt natürlich auch subjektive und unbegründete Vorbehalte gegenüber gewissen Gruppen sein.

Aber allein der hohe Prozentsatz sollte doch zu denken geben.

Und anstatt selbst zu handeln und dieses Problem anzugehen, wird auf Herrn Sarrazin herumgehackt, dass er keine Lösung anbietet.

Ich bin ja der Meinung, dass es durchaus in einer Demokratie erlaubt sein muss, auch auf Probleme hinweisen zu dürfen – auch wenn man vielleicht keine Lösung hat.

Demgegenüber ist es anders denkenden Menschen ja durchaus erlaubt eine andere Meinung zu haben und auch anderweitige Thesen zu widerlegen.

Letztlich hat mir diese Diskussionrunde nichts gebracht.

Lösungsvorschläge gab es nicht, es wurde zudem sehr häufig geleugnet, dass es überhaupt Probleme gäbe. Es wurden Herrn Sarrazin unwissenschaftliche Methoden vorgeworfen.

Selbst hat man aber genau das, was man vorwirft auch getan – nämlich unwissenschaftlich argumentiert.

Letztlich geht die Diskussion also weiter und Herr Sarrazin wurde nicht medial hingerichtet.

Ansich finde ich auch nicht schlecht, dass die Diskussion weitergeht.

In einer Demokratie sollte man ständig alles hinterfragen und ständig alles diskutieren dürfen – und auch müssen.

Aber bitte sachlich!

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