Ich muss aufhören Taz-Leserkommentare zu lesen …

Und schon wieder geht es um das Thema Sarrazin – diesmal aber auf Ebene der Leserkommentare bei taz-online.

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass diese Kommentare grob in zwei Gruppen gespalten sind. Die eine ist ganz klar auf Sarrazins Seite und teilt zumindest einige Thesen seines neuen Buches.

Die andere ist definitiv gegen Sarrazin und seine Sicht der Dinge.

Er wird da als Nazi und Rassist verunglimpft, wie ich es vorher wirklich selten gelesen habe.

Die Taz hilft mit ihrer subjektiven, unverhohlen linken Sichtweise natürlich auch mit.

Nun sollte klar sein, dass die taz links ist – völlig klar. Dementsprechend ist auch die Leserschaft vorwiegend links eingestellt.

Zu dieser linken Leserschaft würde ich mich, wäre ich gezwungen mich in eine Schublade zu legen, tendenziell auch zählen.

Aber was ich in den Kommentaren dort lesen musste, war wirklich starker Tobak und hat mich sehr stark aufgeregt.

Dort wird ganz klar von Seiten der überzeugten Linken Leser die Rassistenkarte ausgespielt.

Man ist nicht im entferntesten bereit sich mit dem Thema zu befassen.

Und sei es auch nur zu sagen: die Thesen sind Blödsinn, weil …

Man denkt auch gar nicht daran, sich mit Fakten befassen oder Thesen widerlegen zu müssen. Wozu auch? Das sind ja eh alles Nazis, diese xy% die für ihn sind.

Nein, nicht die Spur von Akzeptanz oder Toleranz gegenüber andersartiger Meinung.

Dort musste ich sogar eine Forderung eines Kommentators lesen, der möchte, dass alle Pro-Sarrazin Kommentare sofort gelöscht werden.

Ist das das Linke Selbstverständnis? Zensur/Verbot anderer Meinungen?

Alle anderen sind blöd oder Nazis oder verblendet oder what ever – nur man selbst ist vom Lichte der absoluten und unverfälschten Wahrheit beschienen?

Wenn ich mir das so durchlese, dann sind die Linken genau so schlimm, wie die Rechten.

Wer unverhohlen Zensur fordert und andere Meinungen nicht im Ansatz tolerieren will, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Sollte das bedeuten Links zu sein, dann möchte ich nicht Links sein.

Ich bin ja der Meinung man sollte sich immer erst einmal zumindest oberflächlich mit dem Thema befassen.

Verstehen kann ich durchaus, dass die meisten keine oder wenig Zeit dazu haben. Ich auch nicht.

Aber dann die Welt einfach nur in Schwarz und weiß einzuteilen, wobei man selbst der Gute ist und alle anderen sind die Bösen …

Da passt doch was nicht.

Und leider muss ich eingestehen, dass ich auch zu leicht diesem vermeintlich einfachem Weg erliege.

Ich habe auch meistens keine Zeit mich näher mit den Thesen und Ideen anderer und den Problemen in diesem Lande zu befassen und lasse mich medial berieseln und desinformieren.

Man betrachte nur mal meine regelmäßige Schelte der CDU und FDP und mein Unverständnis/Nicht-Teilen-Können vieler ihrer Position.

Aber man muss einfach im Hinterkopf behalten – und da muss ich mich mit einschließen: das Leben ist nicht Schwarz und Weiß.

Und niemand hat die Wahrheit gepachtet.

Und so muss auch ich des Öfteren zugeben, dass auch andere, die nicht meine Sicht der Dinge oder meine politische Richtung teilen,  gute Ideen haben können.

Wenn jemand einer anderen Meinung ist, muss ich das auch tolerieren können – ebenso, wie ich das von ihm verlange.

Es heißt aber auch, dass ich die Thesen meines gegenüber widerlegen darf, ebenso, wie er das bei mir darf.

Lernen sollten wir (und ich) daraus: niemals direkt abstempeln oder die eigene Sicht der Dinge überwiegen lassen.

Ich weiß, es fällt schwer – aber es geht nicht anders.

Daher will auch ich versuchen mich zu diesbezüglich zu bessern.

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4 Kommentare zu “Ich muss aufhören Taz-Leserkommentare zu lesen …

  1. Freiheit ist die Freiheit des Andersdenkenden, wir wissen, wer es sagte und wir wissen, dass Gaskammern,-wie jetzt Gasangriffe auf Mädchenschulen in Afghanistan-,Gulag, Rhoten Khmer und was noch alles folgten und wir sollten anfangen, darüber nachzudenken, woher diese Taten kommen-unabhängig davon- welche Hutfarbe sich eine Religion,Ideologie oder der Mensch aufsetzt.

  2. Wie man im Spiegel lesen kann, ist das Buch von Sarrazin nicht nur verkaufsmässig ein Hammer, sondern es fördert auch Parteieintritte von islamfeindlichen Parteien. Vielleicht denken jetzt mal die Kritiker nach, wem sie mit ihrem Aufschrei eigentlich helfen. Den Verkaufszahlen des Buches und den islamfeindlichen Parteien. Manchmal, und das betrifft jetzt nicht nur Sarrazin, sondern auch die Kritiker, ist Schweigen besser als Reden.

  3. Klar ist einseitige Hetze gegen Sarrazin wenig hilfreich, denn dadurch werden die tatsächlich vorhandenen Probleme mit Integration etc. nicht geringer. Allerdings sollte man unbedingt aufpassen, welchem Menschenbild derjenige (implizit oder explizit) unterstüzt, der Leuten wie Sarrazin zujubelt und sich über den „Tabubruch“ freut. In der Zeit steht dazu ein tatsächlich lesenswerter Artikel von Sigmar Gabriel (sehr sachlich, wie ich finde):
    http://www.zeit.de/2010/38/SPD-Sigmar-Gabriel

    „„Es ist also im Deutschland des 21. Jahrhunderts möglich, mit den eugenischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts stürmischen Beifall zu erzeugen. Eigentlich kann man nur hoffen, dass die lautstarken Befürworter Sarrazins das Buch nicht gelesen haben. Sonst müsste jedem überzeugten Demokraten und aufgeklärten Bürger dieses Landes Angst und Bange werden. Ich gebe freimütig zu: Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird. Das hätte ich noch vor einem Monat für völlig undenkbar gehalten. Wem es bei der Botschaft »neues Leben nur aus erwünschten Gruppen« nicht kalt über den Rücken läuft, der hat wohl nichts begriffen. Thilo Sarrazin muss sich entscheiden, ob er dafür wirklich in Anspruch genommen werden will.“

    P.S.: Sehr schöner Blog, habe ihn eben erst entdeckt! 🙂

  4. Nach langem Warten habe ich das Buch nun schlussendlich hier neben mir liegen.
    Dummerweise werde ich in den nächsten 2-3 Wochen absolut keine Zeit zur Verfügung haben, um auch nur eine Seite zu lesen.

    Bis ich also mit dem Buch durch sein werde, ist die „Diskussion“ zu dem Thema ohnehin beendet.

    So kann ich auch nur zum Thema Genetik mutmaßen, was er jetzt genau damit sagen will.

    Sollte er jetzt aber allen Ernstes aufgrund von genetischen Merkmalen irgendwelche Charaktereigenschaften – oder soziale und kulturelle Eigenschaften – ableiten wollen, dann ist das bestenfalls völliger Blödsinn.

    Wenn ich es gelesen habe, dann kann ich nochmal meinen Senf dazu geben – auch wenn es dann niemanden mehr interessieren dürfte.

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