Pauschale Haushaltsabgabe für den öffentlich rechtlichen Rundfunk – von mir aus gerne, aber …

Die Ministerpräsidenten der Bundesländer haben sich also auf eine pauschale Haushaltsabgabe für den öffentlich rechtlichen Rundfunk geeinigt.
Viel genaueres weiß man offenbar noch nicht.
Kommt die GEZ in die Mottenkiste oder wird sie verkleinert und umgebaut? Man weiß es noch nicht.
Und bis 2013 bleibt alles wie gewohnt.
Also weitere drei Jahre Stasimethoden seitens der allseits heißgeliebten Gebühreneinzugszentrale.

Unter gewissen Umständen hätte ich persönlich nichts gegen eine pauschale Haushaltsabgabe für den öffentlichen „Rundfunk“.

1.) Massiver Ausbau des Internetangebotes.

Dieser Punkt ist nicht zu diskutieren!
Wenn ich für den Inhalt schon bezahle, dann möchte ich ihn auch online abrufen können, wann ich will, wo ich will, wie oft ich will – und das auch noch in x Jahren.
Ich möchte ein Archiv mit allem, was das öffentliche Rechtliche Fernsehen bisher produziert hat.
Auch Bundestagsdebatten von 1970, wenn ich will. Warum soll ich mir bspw. teuer irgendwelche alten ARD-Serien bei Amazon auf DVD kaufen, wenn diese im Grunde alle schon lange abbezahlt sind?
Das den privaten Sendern das nicht gefällt ist klar, interessiert mich aber einen feuchten Dreck.
Es hindert sie ja keiner daran ihren Mist auch online anzubieten.

2.) Kompletter Wegfall der GEZ.

Der Laden beschäftigt 1100 Personen. Das kann man sich dann hoffentlich endlich sparen.
Keine Stasi-Methoden mehr, keine offensichtlichen Datenschutzverstöße mehr, keine Gängelung mehr, keine Nötigung und Lügen an der Haustür mehr.

3.) Keine Werbung mehr – egal in welcher Form.

Ich möchte nicht den gleichen Mumpitz wie auf den privaten Sendern, die alle abhängig von der Quote sind und deshalb nur noch billigen Schwachsinn senden.
Dieses Prinzip der Quotenabhängigkeit darf für die öffentlich rechtlichen nicht gelten!
Es ist mir lieber ich habe ein intelligentes Programm, dass nur 5000 Leute verfolgen, als das ich einen hirnlosen Mist gucken muss, den sich möglichst viele im Halbschlaf oder Vollsuff angucken können, ohne abzuschalten.

4.) Wegfall von aberwitzigen Unterhaltungsformaten.

Soweit ich mich erinnere, haben die ÖR einen Bildungs- und Informationsauftrag.
Ich möchte also gute Reportagen, Dokumentationen und gut recherchierte Nachrichten sehen. Gerne auch intelligente Abendunterhaltung – und nicht irgendein auf volkstümlich gequälter Einheitsbrei ala Mutantenstadl. Auch keine schwülstigen Rosamunde Pilcher Billigproduktionen oder irgendwelche „Pseudo Reality“-Formate. So etwas wie den Telekolleg gibt es kaum noch. Aber genau solche Formate werden meinerseits schmerzlich vermisst!
Und wenn es sie in der 1000. Wiederholung von 1970 doch noch irgendwo gibt, dann nachts um 3 Uhr auf irgendeinem Spartenkanal.

5.) Wegfall von teuren Sportlizenzen

Man muss doch wahrlich nicht dreistellige Millionenbeträge für Übertragungslizenzen von Sportereignissen ausgeben. Wenn ich so etwas sehen will, dann kann ich mir Sky besorgen.
In meinen Augen reicht eine knappe Berichterstattung in den Nachrichten durchaus.

6.) Unabhängigkeit von Parteien

Parteien müssen sich auf absolut jeden Fall heraus halten und dürfen keinerlei Entscheidungskompetenz oder Einflussmöglichkeit besitzen.
Ich möchte kritischen Journalismus, der den Staatsbeamteten auch wirklich auf den Zahn fühlt.
Bei den meisten politischen Diskussionen ala Anne Will und Co. kommt nichts sinnvolles herum. Nutzlose Verschwendung von Zeit und Gebührengeldern.
Diese Talkshows gleichen eher Werbeveranstaltungen – es wird absolut nichts hinterfragt. Keine unbequemen Fragen. Null.
Letztlich sind das nur Parteiwerbeprogramme, bei denen der gewinnt, der am lautesten brüllt und dem anderen möglichst häufig ins Wort fällt.
Das hat doch auch mit Diskussionskultur nichts zu tun!

Wenn diese Punkte erfüllt werden, dann hätte ich absolut nichts gegen eine Haushaltsabgabe von ~15€ im Monat. Von mir aus könnte ein solches System auch direkt über Steuermittel finanziert werden.

Viele sagen sich ja: „wozu überhaupt noch öffentlich rechtliches Fernsehen? Auf den privaten bekomme ich doch alles. Lasst uns den öffentlich rechtlichen Rundfunk gleich abschaffen.“

Dem muss ich entgegnen: wenn es keinen Öffentlich rechtlichen Rundfunk mehr gäbe – zumindest in der Form, wie ich sie mir (siehe oben) wünsche, dann geht es ja nur noch bergab.
Sich täglich von RTL und CO. das Hirn weiter aufweichen lassen, kann doch nicht die Lösung sein.

Ich möchte intelligenten, gut gemachten, kritischen, unabhängigen Öffentlichen Rundfunk – als Gegengewicht zum immer noch schlechter werdenden privaten Rotz.

So sehe ich das.

Advertisements