Meine Gedanken zur bevorstehenden Bundestagswahl 2009

Diskussionen über die Bundestagswahl gibt es ja schon seit Monaten allerorten.

Da wird lustig über mögliche Koalitionen diskutiert, über Ampeln und Jamaika, über Überhangmandate, über Kanzlerkandidaten und vieles mehr.

Es wird häufig darüber gesprochen Schwarz-Gelb zu verhindern.
Viele wollen taktisch wählen – Hauptsache nicht Schwarz-Gelb.

Nun ich muss gestehen: ich bin auch weiß Gott kein Freund von Schwarz oder Gelb.

Die Schwarzen sind mir viel zu konservativ und rückwärtsgewandt – zudem absolut lernresistent und reformfeindlich und zu stark auf die Interessen einiger Lobbys ausgericht, als auf das Wählerwohl.
Die Gelbe Philosophie von kompletter Liberalität und Deregulierung passt mir auch nicht in den Kram.
Meiner Meinung nach ist diese fehlende Regulierung überhaupt erst der Grund für die jetzige Krise gewesen – wieso um alles in der Welt sollte ich also FDP wählen wollen?
Und die gerne angebrachten Bürgerrechte bei der FDP gehen erfahrungsgemäß als erstes über Bord.

Die Piratenpartei ist ja besonders bei jungen Männern, die sich dem Internet zugetan fühlen, beliebt.

Die Partei gefällt mir von ihren Grundansichten schon einmal ganz gut.
Es wird in Diskussionforen sehr oft bemängelt, dass man eine solch kleine Partei – zudem ohne umfassendes Parteiprogramm – nicht wählen könne.
Dem kann ich nur entgegnen: jede Partei hat klein, sehr klein angefangen.
Die SPD vor Urzeiten mit Arbeiterrechten und die Grünen mit dem Waldsterben.
Aber gemausert haben sie sich doch. Das wird auch die Piratenpartei durchleben. Bleiben sie weiterhin beliebt, dann werden sie ihre Positionen zu anderen Themen finden und ihr Parteiprogram ausbauen (müssen).
Aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen.

Die Linken haben auch einige Positionen, die ich gut nachvollziehen kann. Aber dann wieder gibt es auch Punkte, die an ihnen kritisiert werden, die ich nachvollziehen kann.
Es wird auch gerne von politischen Gegnern die „SED-Nachfolgepartei“-Keule geschwungen.
Das erinnert mich immer ein wenig – und dann muss ich schmunzeln – an die Kommunismuskeule der US-Amerikaner.

Da kann man ja auch bis heute jeden fertig machen, wenn man ihn irgendwie in die Nähe der Kommunsisten rückt 😉
Und bis heute haben die Amis kein gescheites Gesundheitssystem, weil immer und immer wieder die Kommunismuskeule erfolgreich geschwungen wurde.

Die ganzen rechten Parteien, also DVU, NPD, REP, sind für mich einfach nur ein sehr, sehr schlechter Scherz.
Darüber brauchen wir gar nicht reden.
Selbst wenn ich mit der Gesamtsituation unglaublich unzufrieden wäre, würde ich die nicht wählen.

Aber ich sehe durchaus, dass sich die Geschichte wiederholen kann.
Es muss nur mal wieder eine schöne, große Massenarbeitslosigkeit geben – und schwups bekommen die wieder Zuspruch wie nichts Gutes.
Und Schuld an allem ist natürlich der böse Ausländer.

Die SPD hat in den letzten Jahren viel falsch gemacht und schlicht und ergreifend gegen die Interessen ihrer Wählerschaft gehandelt.
So etwas kann natürlich nicht gut gehen.
Zudem nehme ich es Ihnen mehr als übel, dass sie sich an der Brandrodung der Bürgerrechte mit Eifer beteiligt haben.
Von CDU Schergen, wie Schäuble und von der Leyen ist man ja ohnehin nichts anderes gewohnt.
Aber das die SPD ohne Not dort mitgemacht hat, macht sie für mich unwählbar.

Die Angriffe auf das Grundgesetz und die Bürgerrechte machen für mich die CDU natürlich zusätzlich unwählbar.
Unter dem gerade nach aktueller Lage übergestreiften Deckmantel – mal ist es der Terrorismus, mal ist es Kinderpornographie, dann ist es wieder die rechte Gewalt – wird dort beschnitten und abgeschafft, verwässert und aufgeweicht, was nur geht.

Wochenlang überschlugen sich ja auf Nachrichtenseiten Forderungen hochrangiger CDU- aber auch SPD-Politiker nach immer härterer Gangart. Immer neue und immer abstrusere Ideen wurden da in die Mikrofone entleert.

Ich glaube wirklich zufrieden werden diese Personen nie sein.
Selbst wenn jeder einen Ortungschip unter der Haut hat und an jeder Ecke 20 Kameras hängen nicht.

Ich frage mich dann gerne mal, wie man überhaupt solch eine Meinung vertreten und das gesamte eigene Volk kriminalisieren kann.
Das ist doch schon keine Inkompetenz mehr – das muss doch böswilliger Vorsatz sein.

Es wundert mich ja, dass der Verfassungsschutz nicht schon ganze Etagen in diversen Parteizentralen angemietet hat.

Interessant, ich habe es an anderer Stelle bereits mehrfach erwähnt, finde ich den Ansatz, den das bedingungslose Grundeinkommen bietet.
Wirklich aufgenommen wurde diese Idee aber seltenst.
Die Violetten haben sie im Parteiprogramm stehen und auch andere kleine Parteien gehen damit hausieren. Aber das alleine bewegt mich noch nicht, sie zu wählen – zumal ich mit mit einigen anderen Punkten bspw. im violetten Parteiprogramm nicht klar komme.
Was bitte ist denn mit Spiritualität gemeint? Wenn ich so etwas höre, verfalle ich direkt in eine ablehnende Haltung mit verschränkten Armen.

Stichwort Parteiprogramme.
Ich finde es ja immer wieder interessant, dass manche Leute ihr Kreuzchen bei dem Kandidaten machen, der „am besten aussieht“.

Ich bin ja der Meinung, dass man nach den Inhalten der Partei wählen sollte.
Die Spitzenkandidaten sind dabei für mich höchstens sekundär.

Ich wähle eine Partei nach dem Grad der Übereinstimmung mit meiner Sicht der Dinge.

Daher wähle ich die die Grünen. Ich habe einen derart hohen Deckungsgrad mit den Ansichten und Ideen, dass ich auch vor einiger Zeit direkt Mitglied geworden bin.

Vor allem eine gescheite Umweltpolitik liegt mir am Herzen. Und dabei gibt es keine Alternative zu den Grünen – zumindest keine, die ich erkennen könnte.

Ich vergleiche die Umwelt immer sehr gerne mit einem Ast, auf dem wir sitzen. Dummerweise ist der Ast aber schon zu 80% durchgesägt.
Und ich traue nur den Grünen zu, dort schnell wieder die Sägestelle zu kitten – sonst heißt es: es freier Fall !

Bei den Grünen gefällt mir sehr viel.

Das heißt natürlich im Umkehrschluss auch, dass ich nicht mit allem einverstanden bin, was Mitglieder der Partei an Aussagen tätigen oder durch ihr Abstimmungsverhalten zum Besten geben.
Gerne wird der Parteispitze angekreidet, dass sie für den Afghanistaneinsatz gestimmt haben und Mitschuld an Hartz IV tragen.
Natürlich passt mir das nicht in den Kram.
Aber soll ich deshalb jetzt aus Protest die CDU wählen?!
Mal davon abgesehen dass taktisch wählen und Protestwahl in meinen Augen ohnehin Murks sind.

Man sollte doch bei der Partei bleiben, bei der man seine Ideen am besten verwirklichen kann.
Dass es nicht immer so läuft, wie man das haben möchte, sollte klar sein.

Sonst müsste jeder einzelne Bundesbürger seine eigene Partei aufmachen 😉

Politik – und Demokratie insbesondere – besteht grundsätzlich immer aus Kompromissen.
Erst recht, wenn man in der Regierung als schwächerer Koalitionspartner tätig werden will.

Mir ist es allemal lieber, man kann regieren und 20% seiner Ideen einbringen, als dass man in der Opposition sitzt und ~0% umsetzen kann.
Das sehe ich nicht als Verrat oder dergleichen an – das ist reiner Pragmatismus. Da muss man realistisch bleiben, finde ich.
Wobei auch das nicht heißen soll, dass man auf Teufel komm raus immer mitregieren muss, ohne Rücksicht auf Verluste.
Aber wenn man die Chance sieht mitzuregieren – warum sollte man sie nicht nutzen?

Unter dem Strich werde ich also so lange bei den Grünen bleiben, wie ich mich bei Ihnen gut aufgehoben fühle.

Mir gefällt die Umweltpolitik, die nachhaltige Wirtschaftspolitik auch, die Sozialpolitik kann ich auch mittragen,
die Bildungspolitik finde ich auch unterstützenswert.

Wenn sie jetzt noch die Idee des Grundeinkommens populärer machen, bin ich noch deutlich glücklicher 😉

Zum Schluss noch eine Bitte an Euch:
Wählt nicht taktisch oder aus Protest.
Geht wählen und wählt die Partei, die euren Vorstellungen am besten gerecht wird.

Und gebt bitte nichts auf den Wahl-o-mat.
Dort kommt auch gerne mal bei eigentlich links eingestellten NPD heraus oder solche Scherze.
Den Wahl-O-Maten kann man mal spaßeshalber nutzen.
Mehr aber auch nicht!

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