Amazon Mp3 – fegt Amazon seine Konkurrenz hinweg? – ein kleiner Test

Amazon hat heute sein lang erwartetes MP3-Download-Portal eröffnet.

amazon-mp3

Und nein – das ist kein Aprilscherz 😉

Ich habe es selbstredend direkt ausprobiert.

Das Angebot ist in die normale Amazon-Seite eingegliedert.
Da ich im Firefox einen Werbeblocker nutze, wurde mir der Button direkt auf der Hauptseite auch nicht angezeigt.
So musste ich ein wenig suchen, bis ich das MP3-Angebot fand.

Ein eigenständiges Portal oder zumindest eine besser abgegrenzte Seite hätte ich besser gefunden.
Zumindest eine eingängige URL hätte man sich leisten können 😉

Zum Start des Angebotes gibt es einige vergünstigte Alben zum Preis von je 4,89€.

Das Angebot soll 5 Millionen Titel umfassen.
Zum Vergleich: iTunes umfasst etwa 10 Millionen Songs und Musicload etwa 6,5 Millionen Songs.

Der Hauptvorteil des Amazon Angebotes soll jedoch im Preis liegen.
So bekommt man einige Songs bereits für 0,69€.

Die Preisspanne ist für den Endkunden nicht ganz nachvollziehbar.
Ich habe auch einige Songs für 84 Cent oder gar für 1,99€ gefunden.
90% meiner gekauften Songs haben jedoch, wie bei iTunes auch, 99 Cent gekostet.

Die gekauften Alben kosteten etwas über 6€. Die entsprechenden Alben waren kaum billiger, als die CD-Variante im Amazon-Marketplace – inklusive Versand. Somit sollte man sich bei älteren Alben fragen, ob eine gebrauchte CD nicht sinnvoller wäre.

Die Songs lädt man in der Regel nicht direkt von der Seite herunter, sondern benötigt dazu ein Download-Tool, welches Amazon zur Verfügung stellt. Man kann aber auch auf den Downloader verzichten und einen Direktlink verwenden – zumindest bei einzelnen Songs. Bei Alben ist man auf den Mp3-Downloader angewiesen.
Das Programm ist sehr einfach aufgebaut und sollte keinerlei Probleme bereiten.
Lediglich das Öffnen des Windows Media Player per default sollte man schnell in den Optionen abschalten – es sei denn man nutzt diesen tatsächlich zum Abspielen … warum auch immer 😉

Jeder Song kann direkt sinnigerweise auf der Seite kurz probegehört werden, um auch sicher zu sein, dass es man die richtige Version erwischt hat – oder einem der Song überhaupt gefällt.

Die Bezahlung der Songs funktioniert nach dem bewährten Amazon-Prinzip.
Ich habe mittels Einkaufswagen und Bankeinzug gezahlt.
Aber auch eine „1-Klick-Bezahlung“ ist möglich.
Man bekommt nach der Bestellung auch eine Mail als Bestätigung der Bestellung.
Letztlich unterscheidet sich der Online-Kauf somit nicht von dem Kauf einer CD – bis auf den wegfallenden Versand natürlich.

Die Songs selbst sind DRM-frei. Man wird also nicht in der Nutzung seiner bezahlten Songs gegängelt, wie dies früher oftmals gang und gäbe war.
Amazon setzt voll und ganz auf das MP3 Format mit einer variablen Bitrate von 256Kbit/s.
Dieser Weg dürfte beschritten worden sein, um auf möglichst vielen Playern nutzbar zu sein.

Manche User haben sich im Vorfeld eine bessere Qualität und ein verlustfreies Komprimierungsformat, wie etwa Flac gewünscht.
Für den Einsatz auf mobilen MP3-Playern oder am Heim-PC  dürfte das gebotene vollends ausreichen.
Lediglich Nutzer mit guten HiFi-Anlagen dürften das Angebot als unzureichend betrachten.

Evtl. könnte Amazon hier bei gestiegener Nachfrage alternativ verlustfreie Formate in besserer Qualität anbieten.
Wer sich jedoch eine teurer HiFi-Anlage leistet, der kauft meist ohnehin noch CDs.

Beim durchsuchen ist mir, wie einigen anderen, auch aufgefallen, dass längst nicht alle Songs verfügbar sind.
Gibt es von einigen Künstlern bei iTunes extrem viele Titel, so bietet Amazon entweder wenige oder gar keine.

Mehr als ärgerlich ist jedoch – was aber auch erst beim durchforsten der Hilfe-Seite zu Tage kommt – dass man die Songs nur einmal herunterladen kann. Bei Verlust oder einem Festplattencrash hat man Pech gehabt.

Fazit:
Das Angebot stellt eine spürbare Verbesserung gegenüber den bekannten Angeboten der Konkurrenz dar.
DRM-freie Titel setzen sich verstärkt durch. Und auch die Qualität der Songs mit 256Kbit/s VBR sollte für die meisten Nutzer ausreichen.
Das Bezahlsystem ist im gewohnten Amazon-Stil gehalten und als sehr gut und einfach zu bezeichnen.
Nun sollte sich Amazon nur noch schleunigst um eine Vergrößerung des Angebotes kümmern. Und zudem sollte die Möglichkeit gegeben sein, einen Song auch bei Verlust nochmals runterladen zu können.

Allgemeine Anmerkung zum Thema Musik, Musikindustrie und Internetangebot:

In der Vergangenheit hat sich die Musikindustrie mit ihrem Gebaren den ehrlichen, wie auch unehrlichen Kunden gegenüber, keine wirkliche Freunde gemacht.
Rückläufige Verkaufszahlen von CDs wurden direkt auf das Filesharing im Internet geschoben.
Dass die Rückläufe evtl. auch mit zusehends schlechterer Qualität von Songs und von Künstlern zusammenhängen können – darüber wurde scheinbar nicht nachgedacht.
In den letzten Jahren gab es für meinen Geschmack viel zu wenige Perlen im sonst durchweg vorhandenen Einheitsbrei.
Schnell zusammengewürfelte Bands – ala DSDS, Popstars, etc. – haben im Mainstream-Segment beinahe schon Überhand genommen.
Wirklich gute Musik hat leider doch merklich abgenommen.

Anstatt auf den bequemen, einfachen und ressourcenschonenden Zug des Online-Angebotes aufzuspringen, hat die Musikindustrie diesen wichtigen Trend massiv verschlafen.
So war es auch kein Wunder, dass sich Plattformen wie Napster und Co. wachsender Beliebtheit erfreuten.
Schließlich musste man nicht mehr in einen Plattenladen und musste keine teuren CDs mehr kaufen.

In Deutschland waren und sind Musikstücke auf CDs spürbar teurer, als anderswo in Europa oder den USA.
Warum hier mit unterschiedlichem Maß gemessen wurde und wird, ist mir schleierhaft.
Ebendies sieht man auch anderswo, bspw. bei Computerspielen oder Software.
Diese ist in Deutschland meistens teurer, als im Ausland.
Anscheinend lassen sich Deutsche besonders gut „melken“.

Langsam begreift die Industrie, dass es doch kein Fehler ist, auch auf das Internetangebot zu setzen – und doch wurden und werden alte Fehler wieder aufs Neue gemacht.
Zum einen durch den Einsatz von DRM-geschützten Songs – von dessen Verbreitung man glücklicherweise zusehends wieder absieht.
Niemand lässt sich gerne vorschreiben, was er mit dem von ihm gekauften Gut anstellen darf.
Zum anderen sieht man dies in der Preispolitik.
Wie kann man einem Kunden erklären, dass ein Song/Album – im Internet geladen – teurer ist, als ein Song/Album auf einer (gebrauchten) CD (mit besserer Qualität)  ?
Hier sollte das Gefälle doch eigentlich genau umgekehrt sein.
Schließlich kosten CD-Herstellung, Verpackung, Transport, Lagerung und Versand zum Kunden auch einiges. Der Künstler selbst bekommt vom Endpreis lediglich einen verschwindend geringen Anteil.
Hingegen müsste man beim Online-Angebot einiges sparen können – bräuchte man lediglich einige brauchbar schnelle Server und eine adäquate Software zur Verwaltung.

Vielleicht möchten die Anbieter so online den schwindenden Absatz wieder ausgleichen.
Viele Nutzer kaufen nämlich online keine kompletten Alben, sondern nur die Songs, die sie wirklich gerne hören. Dies wird sehr wahrscheinlich an der mangelhaften Qualität des Gebotenem liegen.

Mein Tipp an Anbieter und Musikindustrie, quasi mein Wunsch-Angebot:

  • DRM-frei
  • hohe Qualität
  • verschiedene Formate zur Auswahl (Flac, AAC, MP3, …)
  • faire Preise! Alles über 1€ pro Song ist indiskutabel. Am besten wären Preise zwischen 50 und 80 Cent.
  • Zusatzangebote, wie bspw. Songtexte oder Musikvideos mit im Angebot
  • qualitativ hochwertigere Aufnahmen -> perfekte Qualität für gute HiFi-Anlagen
  • erneutes herunterladen unbegrenzt möglich/Onlinebackup
  • kein 08/15 Einheitsbrei

Bei solch einem Angebot – und da bin ich mir sicher – würde auch das Filesharing-Aufkommen massiv zurückgehen.

Dann klappts auch wieder mit der Kundenzufriedenheit 😉

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